Eigentlich nicht …
Stromversorgung kam von Unternehmen. Eisenbahn kam von Unternehmen. Telekommunikation kam von Unternehmen. usw. … Und wie gesagt: Internet-Infrastruktur ebenso …
Doch!
Und in anderen Ländern noch viel stärker als in Deutschland. In Frankreich gibt es viele private Schnellstraßen und Flughäfen werden von Unternehmen (egal ob nun AG oder GmbH) betrieben, an denen der Staat zwar manchmal beteiligt ist, aber es bleiben Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht.
Nur, weil Staaten Unternehmen Infrastrukturprojekte genehmigen, sind Staaten noch lange nicht die Triebfeder … Geschaffen wird Infrastruktur oft von (privaten) Unternehmen. Staaten geben da nur ihre Zustimmung …
Bildung wird auch immer mehr privatisiert. Es gibt immer mehr Privatschulen. Und Universitäten sind sowieso frei und nicht unter staatlicher Kontrolle …
OK. Beim Thema “Vertrauen” gibt es sicherlich unterschiedliche Sichtweisen. Tatsache ist jedoch: Große Unternehmen haben viel zu verlieren, wenn sie das Vertrauen der Kunden verspielen. Unternehmen werdem im eigenen Interesse in der Regel dafür Sorgen, dass ihre Produkte in Ordnung sind. Bei staatlichen Einrichtungen gibt es hier nicht immer eine so große Motivation, auf Qualität zu achten. Und ein Internet unter staatlicher Kontrolle ist eine enorme Bedrohung für die freie Gesellschaft (siehe Türkei/China/Nordkorea) … Und solche Sachen wie
https://transforum.fractalfuture.net/t/ende-der-anonymitat-im-internet/1916
sehe ich kritisch …
Nun gut, es gibt “schwarze Schafe” auf beiden Seiten … Es gibt sowohl Unternehmen, die für Gewinn alles tun, aber auch korrupte staatliche Einrichtungen, die Negatives schon mal vertuschen …
Ach nein?
http://www.pro-physik.de/details/news/1116937/Vom_Forscher_zum_Unternehmer.html
Und ein Blick in die Vergangenheit zeigt auch viele Physiker, die selbst als Unternehmer tätig waren (z. B. Tesla) oder mit Unternehmern stark zusammenarbeiteten, um ihre Patente auszuwerten (z. B. Einstein, der zwar nicht in das Unternehmen seines Vaters einstieg, aber doch stark regelmäßig mit Unternehmern kooperierte).
Ansonsten meinst du mit “große Physiker” theoretische Physiker? Nun, auf jeden Professor an einer Uni kommen hunderte Physiker, die in Unternehmen beschäftigt sind oder selbst als Unternehmer am technischen Fortschritt aktiv mitarbeiten. Hier wieder: Auch die theoretische Physik muss praktisch verwertet werden, das geschieht in Unternehmen. Ohne die praktische Verwertung trägt theoretische Physik nicht sehr zum Fortschritt bei … Und auch so sollte man die Rolle von ein paar bekannten Professoren nicht überschätzen …
Ich will auch nicht sagen, dass “Profitaussicht” die einzige Motivation ist. Ganz sicher nicht. Nun kann man sich darüber streiten, welche Motivation “edler” ist: Profit, Macht, Ansehen, Bekanntheit? … @acta_non_verba hat in diesem Zusammenhang ja schon die “Egoismus vs. Altruismus Debatte” erwähnt … Und weil du, glaube ich, irgendwo auch Newton genannt hattest: Auch der hat selber einiges dafür getan, dass er heute so bekannt ist. Nur mal ein Zitat dazu aus Wikipedia:
Newton galt als recht zerstreut und bescheiden, reagierte jedoch häufig mit großer Schärfe auf Kritik. Bekannt ist sein von boshafter Rivalität gekennzeichnetes Verhältnis zu anderen Wissenschaftlern wie Robert Hooke, Christiaan Huygens, John Flamsteed oder auch Gottfried Wilhelm Leibniz, dem er im Streit um die Urheberschaft der Infinitesimalrechnung „das Herz gebrochen“ zu haben sich rühmte. Nachdem Flamsteed ein Verfahren wegen geistigen Diebstahls gewonnen hatte, tilgte Newton in der Ausgabe der Principia von 1713 jeden Hinweis auf Flamsteed (obwohl er gerade dessen präzisen Beobachtungen viel verdankte).
Abgesehen davon, dass die Unis frei sind und weiterhin frei sein sollten (und dazu gehört auch die Freiheit, dass Unis oder einzelnen Forscher auch mit Unternehmen zusammenarbeiten dürfen), kann ich dir natürlich nur zustimmen. Aber das fordert die TPD ja auch …
Hm, ich denke, dass wir (also ich meine die Menschen insgesamt) noch nie so frei waren, wie heute und wir mehr und mehr das tun können, was wir wollen …
Aber es ist doch ganz natürlich: Es gibt Leute, die eben “faul” sind und Leute, die etwas tun (aus welchen Gründen auch immer, sehr vereinfacht und zugespitzt natürlich). Und die Leute, die was tun, werden sich eben auch mehr Wohlstand erarbeiten als der Faule. Und irgendwann hat man eben eine Yacht und die Faulen leben weiterhin von der Grundsicherung/BGE (was auch gar nicht verwerflich sein muss). So ist das eben und das ist ganz natürlich. (körperliche und geistige Voraussetzungen spielen neben Fleiß natürlich auch eine wichtige Rolle, aber dies kann der einzelne Mensch nur eingeschränkt beeinflussen; wobei letztendlich freilich praktisch alles irgendwie durch die Umwelt determiniert ist) Und erst durch den gesteigerten Wohlstand (der nicht durch die Faulen erzeugt wurde), haben wir heute eine Gesellschaft, die in der Lage ist, auch die ausreichend zu versorgen, die außer Konsum nichts Wesentliches zur Weiterentwicklung der Gesellschaft beitragen wollen oder können.
Außer Frage: Nicht immer profitieren die am meisten, die wesentlich zum Wohlstand beitragen und deshalb hat die TPD ja auch ihre Forderungen. Aber pauschaler Neid ist nicht angebracht. Ehre, wem Ehre gebührt.
Das mag auf einige bis viele Menschen zutreffen, aber nicht auf alle. Hier auch wieder ist die DDR ein gutes Beispiel: Jeder hat Arbeit bekommen und wurde bezahlt, aber da gab es auch welche, die den ganzen Tag nur “Däumchen gedreht” haben und auch sonst haben sich die Wenigsten überanstrengt. Auch deshalb gab es ja die bekannten wirtschaftlichen Probleme in der DDR.
Wie gesagt, wir können heute auch die versorgen, die nicht supermotiviert bei ihrer Arbeit sind, aber das angesprochene Menschenbild trifft dann auf die eben nicht zu. Und auch bei den selben Menschen gibt es oft Schwankungen: Es gibt eben gute Tage und schlechte Tage. Auch super kreative und motivierte Menschen sind nicht immer so gut drauf … Aber viel Arbeit muss eben regelmäßig gemacht werden … Du hattest ja Bildung angesprochen: Sicherlich haben Lehrer nicht jeden Tag Lust auf ihren Job, aber wie soll Schule denn aussehen, wenn Schüler und Lehrer kommen und gehen können, wann sie wollen und machen können, was sie wollen?