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Gegenstandpunkt - Politische Theorie

economics

#21

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

Heinrich Heine


#23

ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer als erster hier im Forum von Propaganda gesprochen hat. Der Propagandavorwurf ist in jedem Fall mindestens ein Jahr alt und natürlich gab es auch dazu eine Vorgeschichte. Ich bleibe in jedem Fall bei meinem Standpunkt, dass die Art und Weise wie der Kapitalismus an den Universitäten erklärt wird nicht die richtige Darstellung ist.

Ich begründe dies unter anderem damit, dass die Wirtschaftswissenschaften den Mehrwert den ein Unternehmer aus seinem Unternehmen herausholt nicht gut erklären können. Der Marxismus sagt, der Mehrwert basiert allein auf der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft. Die BWL sagt in ihren Einführungsbüchern, die Überlegenheit in der Konkurrenz basiere auf besserer Motivation der Mitarbeiter, zum Beispiel durch Gewinnung dieser für eine gute Idee.

Wenn aber der Unternehmer an der Produktion gerade soviel mehr verdient, wie er den Angestellten WENIGER Lohn zahlt, so ist doch ziemlich offensichtlich, dass die Interessen des Unternehmers im Widerspruch zu dem des Angestellten stehen. Die Interessen behindern sich gegenseitig.

Die VWL spricht an dieser Stelle von “Produktionsfaktoren”, bei dem dann “jeder seinen Beitrag zu leisten hätte”, so als wäre die Produktion von Waren ein Kooperationsakt, und nicht einer, der unter Zwang zustande kommt. Dabei arbeiten die meisten Angestellten überhaupt nicht freiwillig, sie wollen bloß nicht von Hartz4 leben. Und da die meisten Mitglieder dieser Gesellschaft entweder in einem Arbeitsverhätniss stehen, dass ihnen nicht gefällt, und/oder die ganze Zeit damit konfrontiert sind sich nicht das leisten zu können was sie wollen, halte ich die Behauptung für schlicht falsch, dass der Kapitalismus zum Wohle der Mehrheit stattfindet.

Wie dem auch sei: Ich danke für den verlinkten Artikel, mit den Ideen dieser Avantgarde habe ich mich selbst bisher noch wenig beschäftigt.

Der Analyse des Autors kann ich allerdings nicht ganz zustimmen - Das technologische Visionen “totale Unterwerfung” (von wem eigentlich?) zum Ziel hätten. Das ist diese Argumentationsweise, die ich immer gerne als Adornoismus bezeichne. Adorno erzählte auch dauernd, dass rationales Denken etwas schlechtes sei, und demzufolge auch Technologie überhaupt.

Und das Kapitalismus schon längst die Phase der freien Konkurrenz überschritten hat ist nun wahrlich nichts neues, dass war schon zu Marx Zeiten der Fall.

Dennoch, ich werde die erwähnte Personen im Artikel mal genauer unter die Lupe nehmen.


#25

Es geht im wesentlichen um die falsche Darstellungsweise, dass Kapital und menschliche Arbeit zusammen produktiv seien. In Wirklichkeit ist es eben nicht ein Handel unter gleichen der da stattfindet, und es geht den Kapitalisten auch nicht um die Herstellung nützlicher Güter um die Menschheit zu bereichern, dies ist ein Nebenprodukt, sondern allein um Kapitalvermehrung.

Das Kapital hat also die Kommandogewalt über die menschliche Arbeit, es sind eben nicht zwei gleichberechtigte Zutaten einer chemischen Reaktion.

Schaut man sich die Geschichte des Kapitalismus an, so stößt man darauf, dass der berüchtigte Manchesterkapitalismus bereits alle Kernlemente des Kapitalismus quasi von selber entdeckte.

Nun kommen die Wirtschaftswissenschaften daher und liefern quasi die Begründung hinterher, warum dies rational und im Sinne aller sei - ich behaupte das geschieht allein im Sinne der herrschenden Klasse, der Pharao wollte schließlich auch, dass seine Pyramiden “einen Sinn ergeben”.

Unterschied zum Manchesterkapitalismus:
Der Staat beschränkt die Kapitalisten heutzutage, als das sie die Arbeiter nicht mehr zu schnell verschleißen, was er im Manchesterkapitalismus ja noch ungehindert tun konnte. Das äußert sich zum Beispiel in Grenzwerten für Dieselmotoren und dergleichen. Zu hohe Grenzwerte bedeuten eine zu hohe Dezimierung der Bevölkerung. Der Staat sieht die eigene Bevölkerung in erster Linie als Verfügungsmaterial, die Höhe der Grenzwerte ist also auch eine Kosten/Nutzen-Rechnung, und damit ein Optimierungsproblem.
Geht es um Grenzwerte in anderen Ländern, so ist der Staat immer dagegen, weil ihm ist es ja scheißegal, wie es der Bevölkerung in anderen Ländern geht, dass ist ja die Konkurrenz.

Frau Merkel ist also nur so lange Klimakanzlerin, wie es darum geht anderen Ländern deutsche Umwelttechnologie anzudrehen. Wenn die anderen Länder dann die deutsche Braunkohle kritisieren, weil sie diese als Konkurrenz sehen, so ist es das gleiche Spiel mit anderen Karten. Effektiver Umweltschutz kommt jedenfalls da nicht raus.

Zurück zu den Grenzwerten:
Wenn aber genug Nachschub an Fachkräften gegeben ist, so kann dem Staat auch die Bevölkerung im eigenen Land egal sein. Dann hat er kein Problem damit, wenn die Kapitalisten zum Manchesterkapitalismus zurückkehren.

Die EU machte also den Niedriglohnsektor in Deutschland erst möglich, ohne den Deutschland kein Exportweltmeister wäre.

Was der Gegenstandpunkt also behauptet, ist dass die Wirtschaftswissenschaften permanent versuchen den status quo zu rechtfertigen. Selbst “kritische Wirtschaftswissenschaftler” weigern sich in der Regel, an Systemdiskussionen teilzunehmen.

Dies wirft der Gegenstandpunkt übrigens nicht nur den Wirtschaftswissenschaften vor, sondern auch der Psychologie, der Soziologie, der Philosophie, der Rechtswissenschaften und auch Teilen der Naturwissenschaft.


#27

moment, mit herrschende Klasse sind keine “Kapuzenmänner” gemeint. Die herrschende Klasse muß sich nicht verstecken, sie kann ihre machenschaften relativ legal abwickeln.

Die herrschende Klasse ist das Finanzkapital. Zum besseren Verständniss 2 Grafiken:

Die acht reichsten Männer der Welt besitzen also genausoviel wie die 50% armsten Menschen

Auch hier sehen wir: Der Reichtum ist extrem ungerecht verteilt.

Aber das wichtigste:
Diese ungerechtigkeit steigt weiter an. Wenn sich dieses System sich also selbst weiter so organisiert, wie es zur Zeit geschieht landen wir früher oder später in einem Zustand, in der die meisten gar nichts und wenige alles besitzen.

Wenn wir dies “Selbstorganisation” nennen wollen, so ist es also keinesfalls etwas positves.

Es geht nicht um theoretische Grenzen der Erkenntniss.

Der Punkt ist: diese Wissenschaften unterliegen einem Korruptionsprozess, weil die herrschende Klasse die Wirklichkeit so erklärt haben will, wie es in ihrem Sinne ist.
Das sieht man daran, dassa kritischen Wissenschaften der Geldhahn zugedreht wird, Studieren teuer gemacht wird um die Studenten in die Schuldenfalle zu treiben, damit sie gefügiger im Sinne des Kapitals sind, usw. usf.

Das nennt man dann Klassenkampf. Allerdings Klassenkampf von oben :slight_smile:


#28

hm, ich seh grad ein video über den carlos marxos, scheint grad wieder voll im trend zu liegen :slight_smile:

http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/196664/index.html


#29

ich hab eine, und einen aus wiki :smile:

Spitzenprädator, auch Spitzenräuber, Gipfelräuber, englisch auch apex predator (von lat.: apex ‚Gipfel, Spitze‘), alpha predator, superpredator, top predator oder top-level predator genannt, ist in der Biologie die nicht streng definierte Bezeichnung für eine biologische Art, die in einem Ökosystem an der Spitze der Nahrungspyramide steht. Ausgewachsene Individuen von Spitzenprädatoren haben in ihrem natürlichen Lebensraum im Allgemeinen keine natürlichen Feinde und besiedeln diesen Lebensraum meist in nur sehr geringer Dichte.


#30

Ich habe mir die Sendung angeschaut (die hälfte).

Sie ist wenig differenziert. Die Frau erzählt noch am wenigsten scheiße von allen, aber da ist auch längst nicht alles richtig. Ich gebe ihr 50%, den anderen “Experten” gebe ich maximal 20%

Wenn du was über Marx wissen willst mach nen Kapitallesekurs mit.

http://www.das-kapital-lesen.de/


#31

ich hab auch nach der hälfte aufgehört: "…den transhumanismus zu bremsen, um den humanismus zu retten… "

nun, das ist ja gerade das, was in der tpd geschieht - humanisten “kapern” den transhumanismus, um ihre antiquierte ideologie zu retten.

analog zu eingeborenenstämmen, die ihre ursprüngliche kultur und mythologische lebensweise gegen die aufklärung verteidigen wollen - clash of the cultures…

ich zitiere dann immer ash, den androiden aus alien:

“Ich kann ihnen nichts vormachen, was Ihre Chancen angeht. Aber - Sie haben mein Mitgefühl.”


#32

als ich hier vor 2 Jahren angefangen habe habe ich Wissenschaftskritik auch eher lächerlich gefunden, da ich das ganze unter Verschwörungstheorien gehandelt habe. habe damals sogar noch die gender studies verteidigt.

Inzwischen denke ich da anders.

Es gibt natürlich viel offensichtlichen Unfug der unter WIssenschaftskritik läuft, zum Beispiel die Theorie das die Erde flach sei, Kreationismus und absurde geistige Mißgeburten wie den “esoterischen Hitlerismus”. Weiterhin komische Dinge wie Hömöopathie, die auch reines Marketing sind.

Ich denke aber das man festhalten kann, dass die Geisteswissenschaften korrumpiert sind, weil es kein Interesse daran gibt, die Gesellschaft planmäßig zu erforschen. Denn sonst würde man ganz schnell beim Marxismus landen, jedenfalls einen großen Teil der marxistischen Theorie bestätigt sehen.


#33

Ich werde einfach mal ein paar aus meiner Sicht kritikwürdige WIssenschaften in diesem Thread ansprechen.

Wissenschaftstheorie:
Durch den Einfluß der Wissenschaftstheorie hat sich der Konstruktivismus und der Positivismus als weit verbreitete Wissenschaftsphilosophie durchgesetzt.

Konstruktivismus:
“Der Beobachter bestimmt das Experiment” - sagen Leute unter Berufung auf die Quantenphysik. Dabei ist es in der Quantenphysik eigentlich so, dass die Messung das Experiment bestimmt.

Durch die Behauptung der Beobachter würde das Experiment bestimmen, wird jeder Subjektivität Tür und Tor geöffnet, vor allen Dingen wird diese Behauptung auf Bereiche ausgedehnt, in denen gar keine Quantenphänomene vorkommen.

Der einzig wissenschaftlich vernünftige Standpunkt ist, dass es eine objektive Wirklichkeit gibt, und wir sie auch erkennen können. Gäbe es die Wahrheit nicht, so gäbe es keinen Grund Argumente auszutauschen oder Experimente durchzuführen.

Positivismus:
Die Berufung auf Daten ohne Theorie dazu, wie diese zustande kamen führt ebenfalls in die irre. Beispielsweise weisen Stoffe in verschiedenen Aggregatzuständen verschiedene Eigenschaften auf. Während des Übergangs von dem einen in den anderen Aggregatzustand findet eine Reihe von komplexen Vorgängen statt, die ich aber nur verstehen kann, wenn ich weiß, dass das eine System in das andere System übergeht.

Eine pure Datenansammlung wird das Phänomen hingegen wie das absolute Chaos aussehen lassen.

Dementsprechend ist der Positivismus, wenn auch nicht so vollständig falsch wie der Konstruktivismus, in seiner hohen Verbreitung in Frage zu stellen.

So, dass war mein erster Versuch, mehr oder weniger aktuelle vorkommnisse in den WIssenschaften zu kritisieren, die Kritik ist natürlich auch nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen.

edit: wir können gerne weiter über die WIssenschaft im allgemeinen reden, oder wie weiter oben über einzelne Fächer.
Der Makel der Geisteswissenschat ist ein systematisches beharren auf “diversität”, so dass am Ende gar keine klare Aussage zustande kommt. Der Wissenschaftspluralismus hat meiner Meinung nach die Funktion, die endgülitge Klärung von geisteswissenschaftlichen Problemen zu verhindern.
Würde man nämlich nicht auf dem Pluralismus beharren, könnte man bestimmte Ansichten ein für allemal als falsch zurückweisen, falls sich die entsprechenden Argumente finden.

Und die Behauptung des Gegenstanpunktes ist eben, dass es diese Argumente gibt.


#34

hiermal eine Kritik des GSP am Pluralismus der Geisteswissenschaft:

Thesen:

  • Der Pluralismus der Wissenschaft ist ein staatlich verordnetes Toleranzgebot, dass das richtige Argument nicht mehr gelten lässt, sondern davor die Autorität der Lehrstühle setzt. Vor allen Dingen aber ist der Pluralismus ein sicheres Zeichen für nicht-vorhandenes Wissen. Würde man irgendetwas sicher Wissen, bräuchte man keinen Pluralismus.
  • Dieser Pluralismus führt nicht zu mehr “Freiheit”, sondern begründet die ewige Unterlegenheit der Geisteswissenschaft gegenüber der Naturwissenschaft. Denn die Freiheit des einen Wissenschaftlers endet da, wo die die Freiheit des anderen beginnt. Dementsprechend wird Wissen auf den Status bloßer Meinungen heruntergestuft.
  • Der Pluralismus äußert sich, indem nicht mehr über den Gegenstand geredet wird, sondern über den Blickwinkel auf den Gegenstand, das dann aber nach außen als Wissen verkauft wird. Der Psychologe tritt schließlich als Fachmann auf.
  • Dies führt zu einer riesigen geistigen Müllkippe, da man sich nicht von dem unnützen Ballast trennen kann. Jeder Versuch Klarheit zu schaffen ist immer der Versuch eines Konsens, der aber eben nicht zur Wahrheitsfindung führt, sondern nur dazu, den ganzen Müll zu verewigen. Also anstatt die Sache vernünftig auszudiskutieren und zu einer Lösung zu kommen, wird von verschiedenen Aspekten geredet, nur damit der Streit nicht vernünftig ausdiskutiert wird. Dieser Konsens entsht also nur so, indem man den guten Theorien die Spitze abbricht und sie zu einem bloßen Beitrag für den Kanon des Wissens reduziert, dass sich mühelos in ein Kompendum einreihen lässt.
  • Der Staat legt auf den Pluralismus der Geisteswissenschaft wert, weil er nicht will das gesichertes Wissen über sinnvolle Gesellschaften entstehen. Denn dies würde das jetzige System in Frage stellen.
  • Seit 200 Jahren behauptet die Geisteswissenschaft, auf dem Weg zum Wissen zu sein. De facto hat sich nichts bewegt. Die Methodendiskussionen leisten auch nichts, sondern reproduzieren den falschen Konsens. Die Diskussion über Methoden führt zu einer Art Wissenschaftspolizei, die über die Einhaltung künstlicher Regeln wacht, die von der Wissenschaftstheorie abgesegnet worden sind. Die Wissenschaftstheorie hat aber tatsächlich nie irgendeinen inhaltlichen Beitrag zur Wissenschaft geleistet. Sie leistet etwas anderes: Ergebnisse die der Obrigkeit nicht passen, werden nicht inhaltlich infrage gestellt, sondern über die Kritik der Methoden aus dem Weg geräumt.
  • Weiterhin verschleiert das Reden von Methoden die Abwesenheit von Wissen. Das Reden von Methoden gaukelt ein systematisches herangehen vor, dass in Wahrheit nicht gegeben ist.
  • Das Wesen der Geisteswissenschaft im Kapitalismus ist nicht das bilden von Wissen, sondern von staatstragenden Ideologien. In einem anderen System könnte die Geisteswissenschaft tatsächlich zu einer Wissenschaft werden, es liegt also nicht an einem prinzipiellen Unvermögen, sondern an einem willentlich herbeigeführten. So redet sie gerne von gesellschaftlichen “Problemen”, möchte aber eigentlich gar nichts über die Ursache wissen, sondern macht “konstruktive Vorschläge”, die niemanden stören und dementsprechend auch nichts verändern.

(Manfred) #35

Finde ich ganz in Ordnung. Wobei allerdings der Begriff „Unterlegenheit“ vielleicht besser durch „Nachrangigkeit“ ersetzt werden könnte. Warum? Aus zwei Gründen.

Erstens versuchen die Geisteswissenschaften die Welt zu interpretieren, die Naturwissenschaften verändern sie. Frei nach Marx: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Und „Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift“. Was aber dann die Massen „ergreifen“, um die Idee konkret und materiell durchzusetzen, das wurde und wird von den Naturwissenschaften bereitgestellt. Wobei ich unter Naturwissenschaften auch die praktischen Anwendungen in Form von Technik, Medizin oder Landwirtschaft verstehe.

Zweitens geht es um Verantwortung. Ein Geisteswissenschaftler z.B. kann ruhig mal die Theorie vom Ende der Geschichte aufstellen. Niemand wird ihn dafür ernsthaft zur Rechenschaft ziehen, wenn’s dann doch nicht eintrifft. Außer der Häme seiner Fachkollegen, hat er nichts zu befürchten. Und Schaden hat er ja auch keinen so richtig angerichtet.

Anders der Naturwissenschaftler. Wird seine neue, aber fehlerhafte Theorie angewandt und es stürzt die falsch berechnete Brücke ein, ist der Schaden gewaltig und es klopft dann recht schnell der Staatsanwalt an die Tür.

Mit anderen Worten, die Naturwissenschaften müssen letztendlich immer beweisen, dass ihre Theorien praktisch funktionieren. Ja, und dann nutzen auch die Geisteswissenschaften deren Ergebnisse - um nochmal Marx zu bemühen: „Was beweist die Geschichte der Ideen anderes, als daß die geistige Produktion sich mit der materiellen umgestaltet?“

Also hat des mit der Nachrangigkeit schon seine Berechtigung.

P.S. Bitte mich nicht falsch verstehen. Ich bin kein Feind der Geisteswissenschaften. Eher das Gegenteil. Denn gerade im Zuge dessen, was augenblicklich und in nächster Zeit von den Naturwissenschaften hervorgebracht wird, werden dringend gute „Interpreten der Welt“ gebraucht. Aber es sollte doch anerkannt werden, wer die Entwicklung bestimmt.


#36

Ich würde dem was du gesagt hast schon weitgehend zustimmen, allerdings ist ein ganz wichtiger Punkt, dass die Geisteswissenschaft nicht unterlegen sein müsste.

Die jetzige Art und Weise Wissenschaft zu betreiben führt zur Unterlegenheit der Geisteswissenschaften und zwar als unausweichliches Ergebnis.

Wenn die Geisteswissenschaften diesen Perspektivismus aufgeben würden, also nicht mehr Sätze formulieren würden wie “Aus soziologischer Perspektive ist Geld…” oder “aus psychologischer Perspektive ist Geld…” oder “aus politologischer Perspektive ist Geld…” sondern stattdessen sagen würden “Geld ist…”, also zu verbindlichen Wahrheiten finden würden, die ganz unabhängig von der Fakultät gelten, genauso wie in der Naturwissenschaft es auch keine unterschiedlichen “Perspektiven” auf die Schwerkraft gibt, wäre da schon ein ganz wesentlicher Schritt getan.

Die Schwerkraft ist eine Sache der Physik und fertig. Da braucht es keine Perspektive eines Biologen.

Die These des Vortrags ist es also, dass die Geisteswissenschaftler keine Wahrheiten finden, weil sie keine Wahrheiten finden wollen. Es ließe sich schon machen.
Dies liegt daran, dass die Geisteswissenschaften im Kapitalismus im wesentlichen eine affirmative Funktion haben. Sie sollen also gute Gründe finden, warum das jetzige System gut ist, sie sollen gar nicht ernsthafte Forschung betreiben.


(Manfred) #37

Ich kenne mich da zu wenig aus. Also wenn ich mir so unseren “Star” R.D.Precht anhöre - prinzipiell bejaht er das bestehnde System, hat aber viele Veränderungsvorschläge. Ist das affirmativ oder schon nicht mehr?


#38

Von dem Precht kenne ich jetzt nur ein paar Interviews.
Dabei ist Precht als Interviewer ja eher bestrebt, die Gegenseite erzählen zu lassen.

Ich nenne lieber ein paar affirmative Tendenzen in den Fachbereichen.

Beispiel Geschichtswissenschaft:
Ich habe in der Schule noch gelernt, Deutschland sei Schuld am ersten Weltkrieg. Inzwischen hat sich die dominierende Meinung der Geschichtswissenschaft da aber geändert, bei gleichbleibender Faktenlage hat sich nun die Auffasssung durchgesetzt, der erste Weltkrieg sei durch unglückliche Zufälle über die Nationen gekommen.

Man könnte meinen, die Geschichtswissenschaften passen sich den Bedürfnissen der Politik an. Der Schuld und Sühne Nationalismus hat ausgedient, Deutschland soll wieder “mehr Verantwortung übernehmen”, dass heißt sich aktiver an militärischen Aktionen beteiligen.

Beispiel Soziologie:
Im GSP Vortrag wird ein Beispiel aus der Soziologie genommen. Dort sind Soziologen beauftragt, die Armut in Deutschland zu erforschen. Auf den ersten paar Seiten wird dann die Schwierigkeit gesprochen Armut zu definieren. Anstatt aber hier abzubrechen, wird die Armut aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, um dann - rein zufällig - genau bei der Definition zu landen, die auch in den EU Richtlinien steht.

Ein Schelm der böses dabei denkt. Die Studie war natürlich auch durch die Regierung beauftragt.

edit: der Pluralismus leistet also folgendes: Die Geisteswissenschaft kann ihre dominierende Meinung dahingehend ausrichten, was in der Politik gerade angesagt ist. Sie müssen dann nicht sagen “das was wir vorher gesagt haben ist alles Käse” sondern können behaupten, nun “einen zusätzlichen Aspekt zu kennen, der sie die Fakten anders gewichten lässt”.

Wäre der Pluralismus nicht da, wäre diese Art der Flexibilität gar nicht gegeben, die letztendlich jedem mit genügend Geld ermöglicht, sich Sachverständige einzukaufen.


#40

Das könnte noch ganz interessant sein:

Gegenstandpunkt gegen Gysi (1994):

Gysi argumentiert dafür die Macht im Parlament zu ergreifen und darüber die Dinge zu verändern, und wenn sie sich nicht verändern lassen, dann wenigstens die Medien zu erobern. Karl Held (GSP) arugmentiert dafür, einer außerparlamentarische Opposition aufzubauen, da im Parlament die Gesellschaft sich eben nicht verändern lässt.

Gysi wirft dem GSP vor, sich auf ihre Position am Rand der Gesellschaft zurückzuziehen und faktisch nichts zu verändern. Der GSP ruft Gysi vor, dass er den Menschen falschen Hoffnung macht, die sich dann von der PDS Dinge versprechen die sie nicht halten kann.

Die Diskussion ist teilweise polemisch und von Zwischenrufen überlagert.


#41

https://de.gegenstandpunkt.com/publikationen/buchangebot/gesundheit

Ein besonders herrliches Stück deutsches Sozialstaat findet man übrigens in der Krankenversorgung.

Ein permanenter Fight zwischen Pharmalobby, die am liebsten all ihre Medikamente zu gigantischen Preisen direkt auf dem Markt testen lassen würde, eine geizige Krankenkasse, die nur dass allernötigste an Volksgesundheit zahlen will was unbedingt nötig ist, damit die Kasseneinzahler bis zur Rente funktionieren und natürlich der Ärzteverband, dem die betriebswirtschaftliche Rechungsweise zur zweiten Natur geworden ist haben ein kompliziertes Flickwerk von Regeln geschaffen.

Der Patient bezahlt den ganzen Scheiß, hat aber nix zu melden. Gleichzeitig wird er regelmäßig ermahnt Maß zu halten und sich selbst um den Erhalt seines Körpers zu kümmern, also Therapien “ganz selbstverantwortlich” aus eigener Tasche zu zahlen, auch wenn er ein Leben lang in die Kasse eingezahlt hat.

Auch hier wieder die Dialketik: Dadurch das der Arzt sich nicht um die wahre Ursache der “Zivilisationskrankheiten” schert, nämlich Lohnarbeit und Konkurrenzgesellschaft, bzw. sie bestenfalls als “Faktor” neben anderen individuellen physiologischen Vorraussetzungen gelten lässt, macht das Gesundheitswesen funktional für den Kapitalismus.
Kann man den Verschleiß des Patienten nicht abstellen, so kann man ihm wenigstens dabei helfen, dass ganze besser aushaltbar zu machen. Das gleiche gilt für Psychatrie und die sogenannten “Komplementärmedizin”, also Wunderheiler aller Art, die auf “Ganzheitlichkeit” setzen und an der Schulmedizin den Rationalismus kritisieren, auf der anderen Seite aber größten Wert darauf legen, als Wissenschaft anerkannt zu werden.

Fürwahr: Das Thema Gesundheit eignet sich wirklich zum irre-werden, mindestens aber braucht man einen Kotzkübel.


#42

Dieses Buch hat 135 Seiten und beansprucht die wichtigsten Aussagen von Marx Kapital (2200 Seiten!) zusammenzufassen. Ich habe mich entschlossen diese Zusammenfassung zu schreiben, weil ich den Eindruck habe das viele Grundbegriffe noch nicht klar sind.

Vorwort:

  • Produktionsweisen gehören nicht soziologisch oder philosophisch bewertet, sondern nach aufwand und ertrag zur befriedigung des materialismus der beteiligten
  • 4 Gliederungspunkte
  1. Arbeit für Geld
  • Der zentrale Kritikpunkt am Kapitalismus ist also, dass Aufwand und Ertrag nicht mit der Befriedigung der materiellen Bedürfnisse für die allermeisten beteiligten zusammenfällt. Der materielle Reichtum und der gesellschaftliche Reichtum (das Geld) sind also nicht identisch!
  • Was also ist Arbeit für Geld? Wenn für Geld gearbeitet wird, dann ist das Produkt bzw. die Ware nur das Mittel zum Zweck. Jeder Bürger ist Privateigentümer und nutzt das von ihm generierte Eigentum dazu, weiteres Eigentum zu generieren. Und zwar dadurch das das Eigentum dazu genutzt wird, Geld zu verdienen, also das zahlungsfähige Bedürfniss anderer zu nutzen, sie also quasi zu erpressen.
  • Die VWL erklärt dies zu einem raffinierten Umweg, der für Arbeitsteilung und einfachen Warenaustausch sorgt. Bei genauerem hinsehen aber fällt als allererstes auf, dass das verdienen von Geld zur Verfügungsmacht über materiellen Reichtum führt, deswegen spricht Marx auch von abstraktem Reichtum, bzw. abstrakter Arbeit und genau das ist der Zweck dieser Wirtschaftsweise und nicht die Produktion nützlicher Dinge. Gebrauchswert und Tauschwert fallen auseinander.
  • Die führt zu folgenden Härten: 1. Es wird zwar gesellschaftlich (für andere) produziert, aber nicht um es zu befriedigen, sondern um es auszunutzen. Zahlungsunfähige Bedürfnisse bleiben also unbefriedigt. 2. Im Gegensatz zu einem konkreten nützlichen Ding kann die Zugriffsmacht auf den gesellschaftlichen Reichtum niemals groß genug sein, weil sie ja bloß eine pure Möglichkeit präsentiert. Dementsprechend ist das Bedürfniss nach Geld unendlich, obwohl die konkreten Bedürfnisse des Menschen endlich sind. Demenstsprechend ist die Arbeit, sofern sie Geldreichtum schafft, niemals fertig, denn das Bedürfniss nach ihr ist ebenfalls unendlich. Im Gegensatz zu einem Haus, dass wenigstens in seinen Grundfesten irgendwann mal fertig gebaut ist, also sein Maß in sich hat, gilt dies für den abstrakten Reichtum und die abstrakte Arbeit nicht. Schon das zeigt, dass hier ein krasses Mißverhältniss zwischen Bedürfnissbefriedigung und Arbeit voriegen muß. Andersherum scheint es nicht so zu sein, dass Menschen maßlos arbeiten, um maßlos Geld zu kassieren. Denn dann hätten sie ja gar nichts von ihrem abstrakten Reichtum, da sie ja immer nur am arbeiten sind.
  • Ohne Gebrauchswert kein Tauschwert. Kann die Ware kein Bedürfniss befriedigen, so kann ich nicht verkaufen. Andersherum muß das Bedürfniss von sich aus nicht befriedigbar sein, ich kann zb (zur Zeit) keine Luft zum Atmen verkaufen.
  1. Der Gegensatz von Arbeit und Reichtum
  • Ein grundsätzlicher Irrtum über das Eigentum liegt also vor, weil es nicht darum geht, etwas Privatbesitz (zB eine Zahnbürste) zu haben, sondern durch den Ausschluß anderer diese mit seinem Eigentum zu erpressen. Deswegen ist auch nur kapitalistisches Eigentum das eigentlich interessante, was Wachstum von Reichtum angeht, wie zb eine Fabrik. Die Mittellosen brauchen Arbeit um Geld zu verdienen, denn ohne Geld ein leerer Bauch. Deswegen kann der Fabrikbesitzer die Bedingungen diktieren, zu denen sie bei ihm Arbeit bekommen. Und Arbeit bekommen sie nur, wenn sie den Fabrikbesitzer damit reicher machen. Würde man diese Situation sich selbst überlassen, würde der Fabrikbesitzer die Arbeiter immer weiter herunterhandeln, damit seine Arbeiter nicht zu früh sterben, hat sich hier der Staat eingeschaltet und den Gewerkschaften in sehr engen Grenzen einen Verhandlungsspielraum gegeben. Auch dies mußte erst erkämpft werden.
  • Der Lohnarbeiter ohne Eigentum benötigt die Erlaubnis seine Arbeitskraft an den Produktionsmitteln umzusetzen, die ohne Umsetzung verfällt. Das ist seine große Verhandlungsschwäche gegenüber dem Kapitalisten. Sie Verkaufen ihre Arbeitskraft, was sie schaffen gehört dem Unternehmer, geht sie also nichts mehr an.
  • Der Lohnarbeiter, selbstständig oder angestellt, hat erstmal gar nichts von der Ware die er schafft, konsumieren tut nicht er, sondern der Käufer. Die Ware ist für den Verkäufer also nur nützlich, wenn sie auf zahlungsfähige Nachfrage stößt. Ansonsten ist sie nutzlos, auch wenn sie eigentlich einen konkreten Gebrauchswert hat. Das Essen das sich nicht verkaufen lässt landet in der Tonne.
  • Kapitalist und Arbeiter unterscheiden sich also dadurch, dass der eine mit fremder Arbeit sein Eigentum vergrößert, der andere seine Arbeitskraft verkaufen muß um dadurch fremdes Eigentum zu vergrößern. Dazwischen gibt es noch eine Zwischenstufe von Selbstständigen, die aber in dieser Rechnung nicht besonders relevant sind, insbesondere wenn es sich um Scheinselbstständigkeit handelt.
  • Wer Geld hat arbeitet nicht, wer arbeitet wird nicht reich, obwohl die Arbeit den Reichtum schafft.
  1. Das nützliche Ding und das Eigentum
  • Nützlich ist alles, wonach es ein Bedürfniss gibt und mag es auch nur vollkommen individuell sein. Nützlichkeit ist also etwas Subjektives.
  • Eigentum ist erstmal etwas rechtliches und noch gar nichts ökonomisches. Vor dem Kapitalismus war das Eigentum noch eine unscharf definierte Sache, inzwischen betrifft es “nur” genau festgelegte Dinge, Menschen können kein Eigentum mehr sein. Eigentum ist im Kern ausschließende Verfügungsgewalt. Eigentum bedeutet also auch, dass ich frei bin mein Eigentum nicht zu nutzen, also einen Acker auch brach liegen lassen kann wenn mir danach ist. Es geht also um eine Nicht-Identität von Nutzen und Gehören, nicht um eine Identität.
  • Geld ist nur der abstrakte Gegenstand, der das Recht des Eigentums zirkulationsfähig macht. Davon handelt der Marxsche Tauschwert.
  • Das Produkt der Arbeit ist das nützliche Ding. Der Verkauf der Arbeitskraft führt also schon wie gesagt zu einem nützlichen Ding für jemand anders. Der Unternehmer spekuliert darauf, dass sein Vorschuss ein Lohn einen Überschuss an Profit auf dem Markt erzeugt.
  • Es reicht also nicht mehr, dass die Arbeit etwas nützliches erzeugt, auch nicht, dass dieses Nützliche Ding verkaufbar ist, sondern es muß einen Überschuss einbringen, sonst lohnt sich die Herstellung des nützlichen Dinges nicht und unterbleibt. Arbeit ist in dieser Gesellschaft also nur produktiv, wenn sie eine Wertdifferenz produziert. Der eigentliche Arbeitsaufwand ist uninteressant.
  • Vom Standpunkt der Kapitalproduktivität ist also gleich: Größerer Verkaufspreis, bessere Technologie (=Rationalisierung), unbezahlte Überstunden, intensivere Arbeit zum gleichen Lohn, billigere Arbeit. Ich stecke Geld rein und kriege (hoffentlich) mehr Geld raus. Vom Standpunkt der Beschäftigten sind aber all diese Dinge höchst unterschiedlich, insbesondere ist Kapitalproduktivität auch unabhängig von der Eigenart des nützlichen Dinges, dass da erzeugt wird, man kann Apfelsaft genauso verkaufen wie Autos oder irgendwelche Dienstleistungen.
  • Angela Merkel lobte Deutschland, die Wirtschaftskrise gut überstanden zu haben, eben weil hier viel industrielle Produktion stattfinde und nicht bloß Dienstleistung, dementsprechend ist das Beispiel mit der Fabrik immer noch sehr aktuell. Weiterhin besitzt auch der Handel über Kapital, aslo einen Tauschwert, selbst wenn er keine nützlichen Dinge erzeugt, sondern nur welche vertreibt. Kaufland und Aldi rechnen genauso wie der Fabrikbesitzer. Sie kaufen Arbeitskraft ein und holen hoffentlich mehr raus, als sie reingesteckt haben. Ihr Kapital ist die Möglichkeit, Waren im großen Stil an den Mann zu bringen.
  • Der Staat spielt als Arbeitgeber eine Sonderrolle, insofern er auch Arbeiten lässt, wenn kein Geld zu gewinnen ist, sondern ein konkretes Ding erzeugen will. Beispielsweise Schulen kosten den Staat nur Geld, die werden aber für den wichtigen Arbeitsmarkt gebraucht, die Bahn macht inzwischen sogar Gewinn. Trotzdem ist der Staat daran interessiert, möglichst viel Arbeit aus seinen Angestellten und Beamten für möglichst wenig Geld herauszuholen.
  • Ausbeutung wird in den Extremen anerkannt. Das aber prinzipiell jede Form von Lohnarbeit Ausbeutung ist, verstehen die meisten Menschen nicht. Die Trennung von Arbeiter und Produkt ist schon völlig ausreichend um Ausbeutung genannt zu werden.
  • Der Kapitalist hingegen ist der Meinung, dass die Arbeit ihm gehört, er hat sie ja gekauft, genauso wie Rohstoffe und Maschinen. Demenstprechend ist sie auch seine Leistung. Wenigstens handelt er praktisch so, auch wenn er sich mal zu einem Lob seiner Belegschaft herablässt. Die meisten von ihnen halten sich sogar für Leistungsträger, denn sie schaffen ja all die tollen Arbeitsplätze, an denen sich die Lohnarbeiter tummeln können. Alleine könnten sie sich ja nicht beschäftigen. Je erfolgreicher, also je mehr Glück ein solcher Unternehmer hatte, desto dümmlicher werden seine Angeberein über die eigene Leistungsvollkommenheit. Das liegt nicht zu letzt dadran, dass ihm alle in den Arsch kriechen, damit er ihnen ein Almosen hinwirft.
  • Schreiten wir in dieser Logik weiter, so bekommt der Satz “Das Geld arbeitet” tatsächlich einen Sinn. Es ist die Forderung nach Wachstum an das eigene Vermögen, welches natürlich ein Ideal bleibt, wie zahlreiche Börsencrashs zeigen. Jede Investition kann eine Fehlinvestition sein, erst der Markt entscheidet darüber, welche Arbeit tatsächlich gesellschaftlich notwendig war, die Waren werden gekauft oder bleiben liegen.
  • Das menschliche Arbeitskraft und Maschinen zwei verschiedene Dinge sind kriegen die Kapitalisten aber dennoch zu spüren.
  • Die meisten Firmen arbeiten mit Fremdkapital, die Eigenkapitalquote ist wenn es hoch kommt vielleicht 20%. Daraus folgt, dass die Unternehmen ihren Gläubigern verpflichtet sind, der Überschuss muß nun mindestens dem Zins entsprechen, den die Gläubiger fordern. Ein Einwand gegen das bisher gesagte ist dies aber nicht. Denn es ist der Unternehmer, der sich entscheidet den Kredit aufzunehmen, eben weil er einen Überschuss erzielen möchte. Wenn sie den Vertrag unterschrieben haben, unterliegen sie natürlich tatsächlich den Sachzwängen, die sie freiwillig eingegangen sind.
  • Die Banken haben die Kunst erfunden, Profit mit Geld zu machen, dass ihnen eigentlich gar nicht gehört. Dennoch gehört der Profit dann ihnen. Das Risiko das sie dabei tragen ist relativ gering zum Normalfall, der eben Profit bedeutet.
  • Sich diesen Zwang nicht gefallen zu lassen führt zu einem Leben unter den Brücken. Dementsprechend braucht es eine politische Kampforganisation, um dieses Verhältniss auf politischer Ebene zu ändern. Wie man sich da individuell herauswindet ist eine Frage, die nur eine andere Form des Anpassungswillens ist.
  • Es geht überhaupt nicht um individuelle Eigenschaften des Kapitalisten, sondern um die Ordnung, die da eingerichtet ist. Diese Eigenschaften sind nämlich nicht der wesentliche Grund der eingerichteten Ordnung.
  1. Der technische Fortschritt
  • Alle Unternehmer wollen die Produktivität ihrer Arbeit steigern. Die Arbeit kann den Zweck des Unternehmers nämlich nicht gewährleisten, nämlich dass das nützliche Ding am Markt auch gekauft wird. Die Unternehmer müssen den Markt erfolgreich nutzen, um ihren Gewinn zu machen.
  • Die Kaufkraft der Gesellschaft ist beschränkt. Doch das geht den Kapitalisten erstmal nichts an. Viel direkter merkt er, dass er auf dem Markt auf Konkurrenz stößt, der ihn stört, weil er das gleiche will wie er. Das Unternehmen muß also den Konkurrenten unterbieten, folglich also auch die Produktion rationalisieren, um die selbe Gewinnspanne zu erzielen. Das kann der Unternehmer tun, indem er die Löhne senkt, was aber nicht endlos geht. Die technische Produktivität kann man aber immer weiter entwickeln. Keine Gesellschaft vor dem Kapitalismus hat die Arbeit immer produktiver gemacht, aber nicht um dem Arbeiter Arbeit zu ersparen, sondern um der Firma Lohn zu sparen. Arbeit wird eingespart bedeutet, weniger Leute werden beschäftigt. Dadurch verarmt ein Teil der Arbeiterbevölkerung, weil sie keinen Lohn mehr erhalten. Die Arbeit der anderen wird intensiviert, was heutzutage zum Beispiel bedeuten kann, dass der Lohnarbeiter sich besser konzentrieren muß und komplexere Tätigkeiten ausführen muß.
  • Der Lohnarbeiter trägt insgesamt einen immer kleineren Lohnanteil, des produzierten Reichtums, weil immer mehr Kapital in den Maschinen steckt.
  • Letztendlich hat der Lohnarbeiter nichts von der gesteigerten Produktivität. Entweder wird er wegrationalisiert, oder seine Arbeit wird intensiviert, niemals aber einfacher. Denn wenn das gesteigerte Produktivitätsniveau ersteinmal in der Branche verallgemeinert ist, also alle die gleiche Maschinerie haben, kann der Unternehmer nur noch am Faktor Arbeit sparen, um günstiger zu sein als die Konkurrenz. Der ganze Nutzen der Produktivitätssteigerung ist also schnell wieder eingeebnet. Hier zeigt sich wieder das die absolute Produktivität im Kapitalismus nichts wert ist, sondern nur die Differenz zur Branche. Das Wissen auch die Politiker, wenn sie von der Notwendigkeit eines Wettbewerbsvorteil reden, wenn es um den Standort Deutschland geht.
  • Ist die Gesellschaft fein raus? Ja, einerseits schon. Die Rechner werden billiger. Andrerseits sinken die Löhne immer weiter, dass heißt die Arbeiterschaft verarmt absolut. Die billigeren Produkte wirken bestenfalls bremsend auf die Inflationsrate. Wenn er kann versucht der Kapitalist auch Sachleistungen anstelle von Löhnen zu geben. Verkäuferinnen können im eigenen Laden billiger einkaufen.
  • Ökonomisch gesehen bedeutet Steigerung der Produktivkraft ersteinmal eine Investition. Diese muß sich erstmal lohnen im Vergleich zu Billiglohnländern mit veralteten Maschinen. Also auch im Hochlohnland muß die Maschine Lohn einsparen, sonst wird sie nicht gekauft. Wird die Maschine gekauft, dann wird auch automatisch rationalisiert, der Faktor Arbeit ist also kleiner geworden, dass bedeutet langfristig sinkt die Profitrate, weil die Konkurrenten früher oder später den gleichen Maschinenpark haben, also der Marktpreis des Produktes sinkt.
  • Laut der Arbeitswertlehre ist der Preis des billigsten Anbieter einer Ware die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, um dieses Produkt zu erzeugen. Angebot und Nachfrage sind dabei nur Varianz, haben keinen Einfluss auf den eigentlichen Wert. Dementsprechend tendiert der Wert der Waren gegen Null, eben je mehr automatisiert wird. Das dies nicht mit der Erfahrung übereinstimmt liegt allein an der Inflationsrate. Dies verschärft den Kampf der Unternehmen um die restlichen Profite jedoch nur noch, beschleunigt also den besagten Prozess.
  • Arbeit und Reichtum landen also schließlich an sehr unterschiedlichen Stellen. Immer weniger haben Arbeit, verdienen immer weniger und der gesellschaftliche Reichtum wird bei einigen wenigen konzentriert. Gleichzeitig steigt der Anspruch der Unternehmen an den Lohnarbeiter immer weiter. Dieser Prozess ist im Kapitalismus unabwendbar. Elend ist also die Konsequenz des kapitalistischen Reichtums. Ohne Niederiglohnsektor kein Exportweltmeister. Aufstocker sind ausgesourcte Lohnzahlungen an den Staat. Der spielt mit, denn er braucht seine internationalen Monopole.
  • Absurditäten sind dann unproduktive Tätigkeiten, die dann profitabel sind, wenn die Löhne nur niedrig genug sind. Wie Fahrradkurriere.
  • Die Arbeitskonditionen werden durch den technischen Fortschritt also immer schlimmer. Ist ein Land in der Lage Produkte zu entwickeln, die andere gar nicht hinkriegen ist es in dieser Branche natürlich dem direkten Kostenvergleich enthoben und zahlt auch gute Löhne für seine Spezialisten, wie in Deutschland früher. Kaum können aber die Chinesen das gleiche bauen, ist dass deutsche Kostenniveau zu hoch. So kommt auch die massive Entwertung von Bildungsabschlüsse zustande. Wenn es jeder kann, dann wandert die ganze Industrie in die dritte Welt ab.
  • Was ist die Alternative? Ist die Frage überhaupt nach dieser Analyse berechtigt? Aus der ganzen Analyse geht doch hervor, dass all diese Dinge nicht notwendig sind, was die technische Seite angeht, sondern vollkommen irre ist, jedenfalls aus dem Standpunkt der meisten Menschen. Das sieht man schon dadran, dass massive Gewalt notwendig ist, um den status quo aufrechtzuerhalten. Die Alternative müssen die Menschen selber machen, kann nicht von einem Einzelnen geboten werden. Es ist ein langwieriger Kampf gegen eine Produktionsweise.
  • die Destruktivität des Kapitalismus ist ein Nebenprodukt. Entweder weil Bedürfnisse nicht bedient werden, weil sie nicht zahlungsfähig sind, oder weil der Gebrauchswert eines Dings vom Interesse abhängig ist. Das Atomkraftwerkt hat für den Kapitalismus einen beachtlichen Gebrauchswert, auch wenn der mögliche Schaden immens ist. Wenn die Risiken zu schlimm sind, dann macht der Kapitalismus eben auch einen Atomausstieg.

Das ist die Hälfte des Buches. Danach kommt noch das Finanzkapital und der Weltmarkt, das macht das ganze noch komplizierter, weil es auch sehr viel mit der staatlichen Sphäre zu tun hat, aber das wesentlichste habe ich nun Zusammengefasst.

Wem das alles zu kompliziert ist, der kann mit dem Absturz einer Topschauspielerin mit Kind in die Harz4 Mühle Vorlieb nehmen. Ein paar schöne Politikerzitate inklusive, ob Grüne oder AfD, alle schwingen sie Hetzreden über “Parasiten, die nicht arbeiten, also auch nicht essen sollen”.

Insbesondere die SPD tut sich hier mal wieder negativ hervor.