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Selbstversorgung für alle (Self sufficiency for everyone)


(Benjamin Eidam) #1

Ein wundervolles Hallo an alle, ich möchte diesen Platz hier nutzen um euch eine Idee von mir vorzustellen, an der ich bereits seit geraumer Zeit arbeite.Es geht dabei um eine technologische Gesellschaftsbasis und dazugehöriger Philosophie für eine wirklich goldene Zukunft.

Ich habe euch beide Bestandteile mal zusammengefasst und bin gespannt auf euer Feedback. Danke schonmal!

Fangen wir an mit der technologischen Basis, welche jeden Nutzer vollkommen unabhängig von externen Versorgern macht, und somit vollkommene Handlungsfreiheit für jeden ermöglichen soll.

Anders als bisher müssen wir nicht mehr nur zwischen bestehenden Optionen abwägen und entscheiden.

Basierend auf mittlerweile verfügbaren Technologien kann ein neues System aufgebaut werden, welches auf der Unabhängigkeit eines jeden Menschen in jedem essentiellen Bereich – individueller Autarkie – besteht.

Diese ist erreicht, sobald jeder Mensch unabhängig von Hilfe von außen bequem überleben kann und dieser Zustand für jeden Ort an dem er sich potentiell entfalten kann – dem Aktiotop - gegeben ist.

Das heißt, wenn er weder Nahrung, Energie, Kommunikationsmöglichkeiten, eine Behausung, Gebrauchsgegenstände, noch Wasserversorgung von außen benötigt.

Über die zur Umsetzung notwendigen Technologien verfügen wir bereits seit geraumer Zeit, jetzt müssen sie nur noch kombiniert & zielgerichtet weiterentwickelt werden.

Zur Realisierung dieses Unterfangens sollen primär folgende Technologien kombiniert und gemeinsam weiterentwickelt werden: (Natürlich kann es auch noch besser passende bzw. ergänzende Technologien geben, und diese werden sobald entdeckt und verifiziert auch sofort mit ins Programm aufgenommen, aber nach aktuellem Kenntnisstand ist dies die optimale Kombination für eine befreiende Grundstruktur)

  • Vertical Farming / 3D Druck / die moderne Interpretation von urban Gardening generell für die Ernährung

  • 3D Druck / 4D Druck für Gebrauchsgegenstände & Behausung

  • Maschennetze für die Kommunikation

  • Alternative Hygienesysteme für die Wasserversorgung

  • Alternative Energiesysteme für die Energieversorgung

Langzeitziel ist es natürlich so viele Bestandteile des daraus resultierenden autarken Subsystems wie möglich biobasiert zu gestalten, so dass ein barrierefreier Verwertungskreislauf stets garantiert ist und diese Lösung überall schnell, günstig und einfach reproduziert werden kann.

Anbei einige ausgewählte Beispiele für bereits heute verfügbare Technologien und Möglichkeiten in den besprochenen Bereichen:

Alternative Energieversorgungsoptionen: (Kernfusion habe ich aktuell noch rausgelassen, da dies wie ich finde ein Thema für sich ist, dass wenn es funktioniert ohnehin alles komplett auf den Kopf stellt)

Behausung:

Kommunikation:

Hygienesysteme:

Ernährung:

Gebrauchsgegenstände:

Dies sind natürlich nur ausgewählte Beispiele und erheben in keinster Weise einen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sollen lediglich einen kurzen Überblick geben über das, was bereits heute möglich ist und das die Vision alles andere als abwegig ist. (Eine weitere wundervolle Option für ein positiv komplexes Zukunftsszenario wird vom Venus Projekt (https://www.thevenusproject.com/en/) skizziert, welches ebenfalls einige hervorragende ähnliche Ideen bereitstellt)

Ein solch zukunftsfähiges, niemanden benachteiligendes, Probleme lösendes statt schaffendes und konfliktvermeidendes statt provozierendes Fundament, gepaart mit einer entwicklungsbewussten und entfaltungsorientierten Philosophie sind in der Lage jedes derzeit existierende Problem direkt oder indirekt zu lösen.

Warum sollte man z.B. noch Kriege führen wenn jeder alles Relevante hat? Wenn Ressourcen nicht verknappt werden sondern in Kreisläufen stets verfügbar bleiben?

Jemand Armut leiden müssen wenn er autark lebt und somit versorgt ist?

Jemand Diebstahl begehen wenn er alles Wichtige besitzt und sich nur darauf konzentrieren kann sich zu entfalten?

Bäume für Profit abholzen und Wässer verschmutzen weil es kostengünstig ist, wenn nichts mehr kostengünstig sein muss? …

Da diese Basis allein allerdings nicht das eventuell aufkommende “Sinn-Loch” füllt, in das man potentiell fallen kann, wenn man nicht mehr gezwungen ist z.B. zu arbeiten sondern sich mit sich selbst und seinen Interessen beschäftigen kann, was durchaus das erste mal und somit schwierig sein kann, habe ich eine zeitgemäße Lebensphilosophie ersonnen, die wenn man sich nach ihr richtet diesem hoffentlich entgegenwirkt und jeden Menschen dazu animiert das beste aus sich und seiner Umwelt zu machen. Ich habe diese Philosophie “positive Komplexität” genannt.

Positive Komplexität umfasst Philosophie & Fundament für ein erfülltes, zukunftsfähiges & harmonisches Leben im Einklang mit allem.

Handlungsorientierung für jeden Anwender dieser Philosophie sind die nachfolgenden 10 Kerninhalte der Philosophie der positiven Komplexität:

1. Entwicklungsbewusstsein

In unserer komplexen Welt gibt es keine starren Grenzen mehr. Sei es zwischen Fachgebieten, oder globalen Entwicklungen. Trends durchdringen immer schneller immer mehr Lebensbereiche und verändern diese immer stärker.

Der entwicklungsbewusst Handelnde weiß um diese Veränderungen und was diese heute als auch morgen mit sich bringen können.

Er orientiert seine Energie an diesem Wissen und nutzt sie an dieses Wissen angepasst.

So weiß er beispielsweise um die enormen Möglichkeiten welche Solarenergie mit sich bringt, und wie er diese Entwicklung nutzen und unterstützen kann.

2. Nachhaltigkeit

Unbedachte gnadenlose Ausbeutung von natürlichen und menschlichen Ressourcen ist weder vertretbar, noch notwendig.

Der nachhaltig Handelnde Mensch wird stets so handeln, dass die Regenerationsfähigkeit des gesamten Öko- und Sozialsystems Erde nicht beeinträchtigt wird.

Er achtet darauf, dass für alle genug verfügbar bleibt, auch weil er weiß, dass er nicht so viele Ressourcen für ein glückliches Leben benötigt, dass er dieses fragile System in Zerstörungsgefahr bringt.

Er ist sich im Klaren darüber, dass genügend für alle vorhanden ist sofern es richtig verteilt & genutzt wird und wird mit jeder Handlung bestrebt sein der Zukunft so viele positive Entwicklungsszenarien wie möglich zur freien Entfaltung zu lassen.

So nimmt z.B. die Entscheidung den Regenwald zu zerstören der Zukunft z.B. unter anderem die Optionen diesen zu genießen, ein besseres Klima zu erleben, und eine höhere Lebensqualität zu erreichen.

Während beispielsweise die Entscheidung für Solarenergie und deren Unterstützung die Ressourcenausbeutung senkt, die Umweltbelastung verringert, weit kosteneffizienter ist, und ein Stück Autonomie ermöglicht, welche weitere Handlungsfreiheit nach sich zieht.

3. (multidimensionale) Konstruktivität

Jede Aktivität sollte nicht nur zum Ziel haben so viel positives wie möglich zu erreichen, sondern gleichzeitig so wenig schädigendes wie möglich zu verursachen.

Der multidimensional konstruktiv Handelnde ist nicht nur darauf bedacht mit seinen Aktivitäten eine bessere Zukunft für alle zu kreieren, sondern zeitgleich bei der Realisierung dieser Vorhaben so wenig wie möglich auf Kosten anderer Faktoren zu arbeiten.

So wird der nach dieser Philosophie Handelnde beispielsweise wenn er daran arbeitet einen neuen Computerchip herzustellen nicht nur darauf achten, dass keine Ressourcen aus Krisengebieten verwendet werden, keine Arbeitskräfte für minimale Bezahlung ausgebeutet werden und das Produkt so lange wie möglich hält.

Er wird auch darauf achten, dass beim Verarbeitungsprozess keine umweltschädlichen Säuren zum Einsatz kommen, oder andere Abfälle die später destruktive Wirkungen entfalten können.

4. Zukunftsorientierung

Die Vergangenheit sieht so viel anders aus als heute, da wir alle nach Kräften versuchen sie so zu verändern, dass es uns besser geht. Der Status Quo ist aus vielen Gründen inakzeptabel. Deshalb arbeiten wir an einer besseren Zukunft.

Der zukunftsorientiert Handelnde ist sich der Möglichkeiten und Gefahren der stattfindenden Entwicklungen bewusst, und sucht Erfüllung in der Realisierung seines daraus resultierenden optimalen Zukunftsszenarios.

So kann er zum Beispiel den 3D Druck von biologischen Materialien und deren Sicherheit fördern und mitentwickeln, um mehr Flexibilität bei zeitgleich reduzierter Umweltbelastung in der Ernährung von allen Menschen zu ermöglichen.

5. Harmonieorientierung

Jede Art und jedes Derivat von Gewalt und Aggression ist abseits von Wettbewerbsorientierung überflüssig und kontraproduktiv.

Der harmonieorientierte Handelnde begegnet Gewalt in jeder Form mit friedlicher, sachlicher Aufklärung der vermeintlich legitimierenden Ursachen und Hintergründe sowie Erläuterung der Sachlage und möglichen Alternativen.

Er klärt darüber auf, dass Gewalt nicht nötig ist und arbeitet gemeinsam mit dem einstmaligen Aggressor an dessen Erfüllung nach bestem Gewissen im Rahmen der eigenen Interessen.

Wenn er beispielsweise gern erklärt, so kann er mit Menschen reden und sie dabei verbal aufklären. Erarbeitet er gern Grafiken, so kann er mit Bildern vermitteln.

Und wenn er gerne Fußball spielt, dann kann er zum gemeinsamen Spiel einladen und durch den anschließenden Austausch helfen.

6. Permanente Selbstreflektion

Anpassung und Bedeutung der positiven Komplexität für den Handelnden und sein Leben werden immer wieder überprüft und auf die aktuelle Situation und Verfassung angewandt.

Es ist wichtig sich stets über die eigene Person und deren Verhältnis zur Realität im Klaren zu sein, und sich jederzeit an Entwicklungen anpassen zu können.

Nur so behält man einen wahrlich fundierten Standpunkt und eine gefestigte Position die für alle Seiten optimal ist.

7. Differenzierung

Ein essentieller Bestandteil der positiven Komplexität ist, ähnlich der Philosophie von Mihály Csíkszentmihályi, die Differenzierung.

Hierbei wird nahegelegt so vielen Interessen und Aktivitäten wie möglich nachzugehen, die zur Erfüllung beitragen, man also die Zeit vergisst während man diese ausführt.

Dabei wird Wert darauf gelegt niemals die innewohnende Neugier zu verlieren, der Kreativität freien Lauf zu lassen, verschiedenste Domänen und mannigfaltige soziale Gefüge zu erkunden.

So wird jeder animiert sich in verschiedensten Bereichen wie z.B. musischen, sportlichen, sprachlichen oder naturwissenschaftlichen zu versuchen, um herauszufinden was ihn erfüllt.

Im Bestfall geht am Ende dieser Reise jeder Mensch jeden Tag exakt dem nach, was ihn erfüllt.

8. Integration

Integration bedeutet dass all die erfüllenden Aktivitäten nicht im Widerstreit zu einander stehen, und nicht so viel Zeit benötigen, dass man in einen permanenten Zustand der Überforderung und des Stresses gerät.

Integration bedeutet im Sinne der positiven Komplexität auch den Aufbau vieler Kontakte durch gemeinsame Aktivitäten bei denen man spielerisch voneinander lernt, und letztendendes jeden Tag voller neuer Eindrücke und glücklicher Momente beendet.

9. Kontinuierliche Weiterentwicklung

Ähnlich dem japanischen Kaizen ist ein wichtiger Bestandteil dieser Philosophie die permanente Anpassung und individuelle Optimierung für sich selbst.

Diese Philosophie ist genauso wie man selbst, niemals „fertig“ oder „vollendet“.

Ähnlich dem aufstellen und überprüfen von eigenen Handlungsweisen wird hier im Einklang mit der Veränderung in Umwelt, persönlichem Umfeld, etc. permanent versucht eine ideale Symbiose beizubehalten.

In einer sich so rasant verändernden Welt ist eine starre Philosophie nicht zeitgemäß und kann allzu leicht an Entwicklungen zerbrechen. Daher ist es wichtig sich und seine Philosophie gemeinsam mit diesen Entwicklungen zu verändern.

10. Stigmergie

Jede positive Handlung erfüllt nicht nur den Handelnden, sondern hinterlässt Eindrücke und Spuren die andere Menschen beeinflussen und motivieren können.

So kann eine ganze Spezies Weisheit erlangen.

Jeder nach der Philosophie der positiven Komplexität Handelnde wird durch seine Aktivitäten nicht nur seiner eigenen Erfüllung und der von ihm erträumten Zukunft näher kommen, er wird auch direkt wie indirekt anderen Menschen damit helfen, sie inspirieren und auch sie der Erfüllung näher bringen.

In diesem Bewusstsein liegt eine weitere Quelle des Glücks und der positiven Veränderung welche die positive Komplexität mit sich bringt.

Beispielsweise ist das Anlegen eines Blumenbeetes für den Einzelnen bereits eine erfüllende Aufgabe, und wird auch ohne fremde Aufforderung oder Unterstützung von anderen Menschen wahrgenommen.

Allerdings erfreuen sich andere wenn sie Kenntnis davon erlangen möglicherweise daran, und helfen vielleicht sogar bei der weiteren Pflege, ohne dass irgendetwas davon je geplant war oder sehr wahrscheinlich erschien.
Diese Philosophie lässt sich natürlich bereits heute überall problemlos anwenden und danach leben, allerdings ist die vollständige Freiheit die einer solchen Entfaltung zu Grunde liegt nur schwer uneingeschränkt innerhalb aktuell vorherrschender Gesellschaftssysteme zu erhalten. Deshalb sieht dieser Plan es als wichtiges Ziel an, Autarkie in jede Ebene der Gesellschaft zu bringen, angefangen beim Individuum selbst.

Denn nur wenn der einzelne vollkommen frei entscheiden kann, kann er vollkommen frei entscheiden.

Es gibt bereits heute verschiedene Konzepte um diese Autarkie zu erreichen, dass hier favorisierte sieht allerdings die Nutzung neuer Technologien vor um jedem ein Leben ohne Qualitätseinbußen und doch unabhängig von anderen zu ermöglichen.Und im Gegensatz zu anderen Konzepten kann hieraus ein Produktportfolio entstehen, welches von jedem Menschen einfach gekauft und dann genutzt werden kann - die letzten Produkte die man sich noch mit Geld kaufen muss im Optimalfall.

Edit (Radivis, 2015-08-09): Ich habe die einzelnen Punkte in h3-HTML-tags verpackt, da sonst das Markdown im Forum aus allen Nummern ein “1.” macht. Ansonsten habe ich abgesehen von diesem Edit nichts verändert.


(Michael Hrenka) #2

Wow, du hast dir da einiges an Gedanken gemacht. Es muss sicher ein Haufen Arbeit gewesen sein all diese Links zusammenzutragen und dann noch eine ganze Philosophie auszuführen! Respekt!

Lass mich erst einmal mehr oder weniger kurz notieren, was mir aufgefallen ist:

  1. Du fängst mit einem Englischen Titel an, schreibst dann aber einen Post ganz auf Deutsch, in einem Bereich der für internationale, also englische, Posts vorgesehen ist (sollte zumindest daran ersichtlich sein, dass “Society” kein allzu deutsches Wort ist). Das ist irritierend. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Und wie soll jemand damit umgehen, der kein Deutsch kann? Den Thread per Google übersetzen? Das ist zwar möglich, aber spätestens beim Versuch zu antworten extrem “awkward”. Das soll jetzt auch keine Pauschalkritik sein. Ich weiß wirklich nicht, wie ich damit am besten umgehen soll. Vielleicht weißt du das besser als ich.
  2. Du führst hier aus, wie das ziel vollkommener individueller Autarkie mit technologischen Mitteln potenziell erreicht werden kann. Das machst du recht gut, und sogar beeindruckend. Es kommt aber nicht so klar herüber, warum du von diesem Ziel ausgehst. Es scheint als ob du davon ausgehst, dass vollkommene individuelle Autarkie für das erreichen “vollkommener Handlungsfreiheit” des Individuums notwendig ist. Ich bin nicht davon überzeugt, dass dem so ist. Erstens müsste aber “vollkommene Handlungsfreiheit” spezifiziert werden. Die Freiheit des einen hört dort auf, wo sie die Freiheit des anderen (wesentlich) einschränkt. Aber gut, gehen wir von dieser “vernünftigen vollkommenen Handlungsfreiheit” aus. Eine Alternative zur individuellen Autarkie ist die individuelle Grundversorgung durch ein bedingunsloses Grundeinkommen. Dies hätte eine vergleichbare befreiende Wirkung auf die Menschen, zumindest aus meiner Sicht.
  3. Ich halte technologisch ermöglichte individuelle Autarkie für eine prinzipiell realistische Lösung, allerdings bin ich weitaus pessimistischer was die Möglichkeiten mit unserem derzeitigen technologischen Entwicklungsstand angeht. Aus meiner Sicht brauchen wir fortschrittliche Nanotechnologie, um dieses Ziel vollständig zu erreichen. Die Grundprobleme die der individuellen Autarkie heutzutage im Wege stehen sind die Versorgung mit Nahrung und Rohstoffen. Wir können Lebensmittel noch nicht rein synthetisch erzeugen. Selbst Soylent benötigt Rohmaterial aus Nahrungspflanzen. Ich kann mir auf diesen Einwand aber eine logische Entgegnung vorstellen: “Dann drucken die Menschen eben mit 3D Druckern vertikale Farmen, in welchen diese Nahrungspflanzen angebaut werden.” Ja, gute Idee, im Prinzip. Vertikale Farmen sind cool, aber momentan nur wirtschaftlich für relativ teure Pflanzen. Pflanzen, welche für Grundnahrungsmittel angebaut werden wie Weizen, Mais, Soja, Kartoffeln, usw. sind nach meinem derzeitigen Wissensstand nicht wirtschaftlich in vertikalen Farmen anbaubar. Vielleicht sieht das in 20 Jahren anders aus, aber da wäre ich nicht allzu sicher. Nun zum zweiten allgemeineren Problem: Selbst wenn man alles im 3D/4D Druck herstellen könnte, bräuchte man dafür noch immer die notwendigen Rohstoffe. Woher soll man sich die holen? Wie macht man das ohne die individuelle Autarkie aufzugeben? Ist man am Ende darauf angewiesen alles aus Erde, Dreck, und Steinen zu drucken? Falls ja, dürfte das die Qualität der gedruckten Güter negativ beeinflussen. Selbst falls ja, haben wir noch nicht die Technologie dafür besonders interessante Güter aus derart bescheidenen Grundmaterialien zu drucken.
  4. [quote=“acta_non_verba, post:1, topic:466”]
    Warum sollte man z.B. noch Kriege führen wenn jeder alles Relevante hat? Wenn Ressourcen nicht verknappt werden sondern in Kreisläufen stets verfügbar bleiben?
    [/quote]
    Ich halte diese Aussage für halb naiv und halb realistisch. Wenn es bei militärischen Konflikten nicht um Rohstoffe geht, geht es um Macht. Wenn alle mit hinreichend vielen Rohstoffen versorgt sind, geht es eben nur noch um Macht. Das kannst du denjenigen Menschen (oder KIs) natürlich zum Vorwurf machen, aber das wird diese nicht daran hindern ihre eigenen Ziele knallhart weiter zu verfolgen. Warum steben Entitäten nach Macht? Weil Macht nützlich ist, um ihre eigenen Ziele zu erreichen! Und da du individuelle Handlungsfreiheit als positiven Wert voraussetzt, hast du keine klare Grundlage, um den Entitäten ihr Recht darauf, ihre eigenen Ziele erreichen zu wollen, abzustreiten.
  5. [quote=“acta_non_verba, post:1, topic:466”]
    Da diese Basis allein allerdings nicht das eventuell aufkommende “Sinn-Loch” füllt, in das man potentiell fallen kann, wenn man nicht mehr gezwungen ist z.B. zu arbeiten sondern sich mit sich selbst und seinen Interessen beschäftigen kann, was durchaus das erste mal und somit schwierig sein kann, habe ich eine zeitgemäße Lebensphilosophie ersonnen, die wenn man sich nach ihr richtet diesem hoffentlich entgegenwirkt und jeden Menschen dazu animiert das beste aus sich und seiner Umwelt zu machen. Ich habe diese Philosophie “positive Komplexität” genannt.
    [/quote]
    Was du hier gemacht hast, ist wirklich sehr gut. Nachdem ich den ersten Teil gelesen habe, habe ich mir gedacht “Ok, individuelle physische Autarkie ist ja schön und gut, aber der Mensch hat auch psychologische (Grund)Bedürfnisse!” Mit deiner Philosophie gehst du präventiv auf diesen Einwand ein!
  6. Wieso sollten die Menschen aber deine Philosphie übernehmen, statt eine andere? Du kannst natürlich deine Philosophie als Angebot verstehen, oder als Anregung. Als solche ist sie auch relativ gut. Ob sie wirklich hinreichend ist, um den Menschen unter individueller Autarkie eine klare Orientierung zu geben, ist für mich erst einmal nicht klar. Dafür müsste ich länger darüber nachdenken.
  7. Die einzelnen Punkte deiner Philosphie machen Sinn und sich ein für sich ganz gut. Es gibt viele, denen ich voll zustimmen könnte. Was ich mich aber frage ist: Warum diese 10 Punkte, und nicht irgendwelche anderen? Und ergibt sich daraus ein stimmiges, widerspruchsfreies Ganzes? Das sind natürlich sehr anspruchsvolle Fragen, die auch sehr tief gehen, aber solche Fragen stelle ich eben nunmal. :smiley:

Ok, ich denke diese Punkte reichen für’s erste. Du solltest dir darüber bewusst werden, dass ich meine Kritik anbringe, weil ich deinen Ansatz für sehr interessant finde, und nicht weil ich dir irgendwie unterstellen wollte, dass er irgendwie unrealistisch oder überhaupt nicht wünschenswert wäre (wobei du natürlich mit genau diesen Einwänden konfrontiert werden wirst, wenn du deine Vision einem breiteren Publikum präsentierst, weswegen es gut ist auf diese Einwände gute Antworten parat zu haben). Damit will ich aber auch nicht sagen, dass ich deinem Ansatz wirklich zustimme. Persönlich halte ich ihn für aus praktischen, technologischen, psychologischen, soziologischen, und ökonomischen Gründen für suboptimal, bzw. in seiner derzeitigen Formulierung für unvollständig. Diese Aussage könnte dich jetzt vielleicht entmutigen, aber sich dadurch entmutigen zu lassen, wäre nicht die beste Reaktion. Vielmehr interessiert mich, wie dein Ansatz optimiert und ergänzt werden kann, dass er mit meinen hohen Standards kompatibel ist. :smile:

Vielleicht fairerweise noch meine zuletzt angerissenen Einwände in Kurzform:

  • Technologisch: Unsere derzeitige Technologie ist nicht darauf ausgerichtet Menschen individuell autark zu machen. Das kann man natürlich als politisch begründetes Problem ansehen, aber es ist momentan nunmal ein echtes Problem.

  • Psychologisch: Individuelle Autarkie ist vielleicht mit heutiger Technologie erreichbar, aber nicht unbedingt bequemer als zu arbeiten und sich mit Geld die Dinge zu kaufen, die man haben will. Das mag individuell unterschiedlich sein, aber es gibt sicher viele Menschen, die lieber irgendwo einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen und “normale” Konsumenten sein wollen, weil dies eben bequem und stromlinienförmig ist.

  • Soziologisch: Ok, angenommen es machen sich viele Menschen individuell autark. Das wird den Rest der Welt nicht wirklich auf den Kopf stellen. Der Kapitalismus wird mit den anderen Menschen weiter laufen wie bisher. Die Politik wird die Autarken mehr oder weniger ignorieren. Es bilden sich zwei Parallelgesellschaften heraus, die zueinander mehr oder weniger inkompatibel sind. Allerdings werden die “Kapitalisten” versucht sein die Autarken irgendwie in ihr System wieder zu integrieren, sei es als Produzenten oder Konsumenten. Wenn auch nur durch die zur Schau Stellung von unsäglichem Luxus oder so. Vielleicht sind die Autarken resistent und lassen sich nicht darauf ein. In diesem Fall schrumpfen die Absatzmärkte für die “Kapitalisten”, was den Kapitalismus als solches schwächen könnte – aber nicht notwendigerweise. Der Kapitalismus kann unvorstellbare Blüten treiben, um sich selbst zu erhalten.

  • Ökonomisch: Individuelle Autarkie hört sich teuer an. Unseren heutigen Wohlstand haben wir der Massenproduktion, Automatisierung, und Spezialisierung zu verdanken – und nicht zuletzt wirtschaftlicher Kooperation (zugegebenermaßen teilweise erzwungen). Standardisierung und Zentralisierung industrieller Produktion hat nunmal seine Vorteile in der Reduktion des Preises. Das drückt eigentlich nichts anderes aus, als dass es mit dieser Wirtschaftsweise einfach ist, all diese Güter herzustellen. Solange also individuelle Autarkie nicht günstiger wird als gesellschaftliche Abhängigkeit, ist erstere ökonomisch gesehen suboptimal.


(Benjamin Eidam) #3

Hi Michael, und vielen lieben Dank für das schnelle und umfassende Feedback!

Zunächst einmal wegen dem englisch hatte und habe ich bis jetzt selbst überlegt ob ich es auf englisch schreibe, aber dann dachte ich als Teil einer in der Gründung begriffenen deutschen Partei ist deutsch als Hauptsprache angebrachter. (Ich hoffe ich habe das System dahinter richtig verstanden und alles korrekt interpretiert, anderenfalls entschuldige ich mich vielmals und werde dies ggf. ändern)

  1. Ich glaube nicht an eine vergleichbar befreiende Wirkung durch das BGE, da die Marktstrukturen dahinter ja immer noch die gleichen bleiben - und durch gezielte Staatliche oder wirtschaftliche Verknappungen z.B. die faktische Unabhängigkeit genau so wie vorher eingeschränkt werden kann. Wenn ich hingegen keine Versorgung von aussen benötige, ob - überspitzt - kostenlos oder nicht, kann ich in keinem Falle bedrängt werden.

  2. Ich stimme dir grundlegend zu, mit der Einschränkung das ich denke, dass a) sich da in den kommenden Jahren bereits einiges tun wird, und b) dies um so schneller geht, wenn man eine Entwicklung in diese Richtung forciert und subventioniert.

  3. Da stimme ich dir aktuell zu, widerspreche dir allerdings mit Hinblick auf die durch Autarkie gegebenen Möglichkeiten. Warum sollte ich Macht wollen wenn ich alles haben kann? Wenn ich keinen Zwängen oder der Macht anderer ausgesetzt bin und so selber zur Vergeltung nach Macht streben muss? Ich glaube die Freiheit welche Autarkie bringt, wird, spätestens in der 2. Generation die damit groß wird das (meiner Mewinung nach) durch aktuelle Weltbilder implizierte Machtdenken aufweichen bis ablösen.
    Das es bereits heute anders geht beweisen ja zahllose Menschen, denen Macht egal ist, selbst wenn sie die Chance hätten diese zu ergreifen bzw. zu missbrauchen.

      1. Da stimme ich dir vollkommen zu, aber das kann nur Zeit, Diskurs und Anwendung zeigen. Ich habe versucht nach bestem Wissen und Gewissen zu arbeiten und lang darüber nachgedacht. Nun obliegt es den Anwendern bzw. meinen Kritikern den nächsten Schritt zu tun :smile:

Summiert entmutigst du mich keineswegs, da ich bereits andere Kritik in u.a. dieser Richtung erfahren habe, und nur durch diese weiter daran arbeiten kann. Das du auf deinem hohen Level “nur” diese Sachen einzuwenden hast, sagt mir aber, dass ich da schon auf einem guten Weg bin, danke :smile:

Abschließend nochmal auf deine Zusammenfassung:

Technologisch: Unsere derzeitige Technologie ist nicht
darauf ausgerichtet Menschen individuell autark zu machen. Das kann man
natürlich als politisch begründetes Problem ansehen, aber es ist
momentan nunmal ein echtes Problem.

Darauf ausgelegt sind manche bereits heute in ihren jeweiligen Bereichen, aber auch im ganzen bereits.
Man denke nur z.B. an die EcoCapsule (http://nicearchitects.sk/en/ecocapsule) oder den Wohnwagon (http://www.wohnwagon.at/). Aber mit aktivem politischem und wirtschaftlichem Willen dahinter wird dies sicher schneller und umfassender geschehen. Und vor allem mit breitem Einbezug der Bevölkerung. Deshalb diese Frage hier :smile:

Psychologisch: Individuelle Autarkie ist vielleicht mit
heutiger Technologie erreichbar, aber nicht unbedingt bequemer als zu
arbeiten und sich mit Geld die Dinge zu kaufen, die man haben will. Das
mag individuell unterschiedlich sein, aber es gibt sicher viele
Menschen, die lieber irgendwo einer geregelten Erwerbstätigkeit
nachgehen und “normale” Konsumenten sein wollen, weil dies eben bequem
und stromlinienförmig ist.

Ich glaube das obliegt jedem Einzelnen und sollte weder von dir noch mir extrapoliert werden. Um das beurteilen zu können müsste man es vielen mesnchen anbieten und sie fragen was sie davon halten. Eine Option mit der ich sehr gut leben kann :wink:

Soziologisch: Ok, angenommen es machen sich viele
Menschen individuell autark. Das wird den Rest der Welt nicht wirklich
auf den Kopf stellen. Der Kapitalismus wird mit den anderen Menschen
weiter laufen wie bisher. Die Politik wird die Autarken mehr oder
weniger ignorieren. Es bilden sich zwei Parallelgesellschaften heraus,
die zueinander mehr oder weniger inkompatibel sind. Allerdings werden
die “Kapitalisten” versucht sein die Autarken irgendwie in ihr System
wieder zu integrieren, sei es als Produzenten oder Konsumenten. Wenn
auch nur durch die zur Schau Stellung von unsäglichem Luxus oder so.
Vielleicht sind die Autarken resistent und lassen sich nicht darauf ein.
In diesem Fall schrumpfen die Absatzmärkte für die “Kapitalisten”, was
den Kapitalismus als solches schwächen könnte – aber nicht
notwendigerweise. Der Kapitalismus kann unvorstellbare Blüten treiben,
um sich selbst zu erhalten.

Naja das sehe ich ein wenig anders, da du Autark und Teil des Kapitalismus zeitgleich sein KANNST, aber nicht MUSST. Ich glaube die schleichende “Unterminierung” des Kapitalismus bis zu einem gewissen Tipping Point wäre mittelfristig die Folge. Aber wie genau so etwas auf ein derart komplexes System über Zeit einwirken kann, ist unfassbar schwer zu sagen. Das bringt mich wieder dazu es zu versuchen :wink:

Ökonomisch: Individuelle Autarkie hört sich teuer an.
Unseren heutigen Wohlstand haben wir der Massenproduktion,
Automatisierung, und Spezialisierung zu verdanken – und nicht zuletzt
wirtschaftlicher Kooperation (zugegebenermaßen teilweise erzwungen).
Standardisierung und Zentralisierung industrieller Produktion hat nunmal
seine Vorteile in der Reduktion des Preises. Das drückt eigentlich
nichts anderes aus, als dass es mit dieser Wirtschaftsweise einfach
ist, all diese Güter herzustellen. Solange also individuelle Autarkie
nicht günstiger wird als gesellschaftliche Abhängigkeit, ist erstere
ökonomisch gesehen suboptimal.

Ja, unser aktuelles Level haben wir diesen Faktoren zu verdanken. Aber mit den Technologien wie sie aktuell auf dem Weg sind haben wir ganz neue Wege die sich uns bieten, daher glaube ich ist es selbst nach klassischen ökonomischen Maßstäben auf absehbare Zeit machbar. Allerdings muss man dazu alle Technologien zunächst kombinieren, verbessern, und erst dann als Ganzes effizienter machen.
Ich würde dies sehr gern tun :slight_smile:


(Michael Hrenka) #4

Ich finde es interessant, dass du dieses Forum als Teil der TPD verstanden hast. Dem ist allerdings nicht so. Ich habe dieses Forum erstellt, bevor ich überhaupt von der TPD mitbekommen habe. Das Forum ist als internationale Plattform für Futuristen gedacht, mit Schwerpunkt auf Unterstützung von futuristischen Projekten und Organisationen. Daher ist die Hauptsprache im Forum Englisch. Und deswegen habe ich diesen Thread auch schließlich von “Society” nach “Deutsch (German)” verschoben.

Es mag sein, dass selbst mit einem BGE wirtschaftliche Verknappungen die bedingungslose Absicherung der Grundbedürfnisse gefährden könnten. Aber in dem Fall müsste man eben das BGE nachbessern.
Andererseits ist es nicht hinreichend auf keine Versorgung von außen angewiesen zu sein. Solange die Menschen von auf deutschem Grund wohnen, sind Mieten oder Grundsteuern zu bezahlen. Diese können sich durch politische und wirtschaftliche Gründe auch erhöhen. Im Zweifelsfall scheitert vollständige individuelle Autonomie eben an diesen “Landnutzungsgebühren”. Es sei denn natürlich du willst auf einem Schiff in internationalen Gewässern wohnen.

Welche den normalen Menschen überzeugenden Gründe gibt es die Entwicklung in Richtung individueller Autonomie zu forcieren, statt das Geld zum Beispiel in bessere Infrastruktur, oder ein BGE zu stecken?

Wenn du alles haben kannst, hast du verdammt viel Macht!

Bei Macht geht es nicht nur um materiellen Besitz, sondern vor allem auch darum, wer die Regeln (Gesetze) aufstellen darf! Solche Dinge wie Menschenrechte, Bürgerrechte, Tierrechte, usw. sind relativ unabhängig von der Verteilung materieller Ressourcen. Über Regeln kann man sich immer streiten, und um Regeln verändern oder deren Einhaltung einfordern zu können, braucht man eben Macht, ob man das nun will oder nicht!

Wem Macht egal ist, wird früher oder später zum Spielball derer, denen sie eben nicht egal ist. Und daran wird sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern!

Ok, du willst den Menschen also die individuelle Autarkie als Option anbieten. Das ist ja schonmal ein ganz vernünftiger Ansatz. Aber was wenn nur ganz wenige wirklich diese Autarkie wollen? Was ist dann entscheidend? Ob die Möchtegern-Autarken die 5% Hürde überschreiten oder nicht, oder eher, ob sie genügend kaufkräftige Nachfrage nach Autarkie-Technologie haben?

Interessant. Was denkst du, würde nach diesem “Tipping Point” passieren?
Ich denke, deine Gedanken sind relativ parallel zu meinen über die “Digitale Überflusswirtschaft”, und auch ziemlich kompatibel. Du konzentriest dich auf das Gebiet der materiellen Güter, ich auf das Gebiet der digitalen Güter. Wenn in beiden Bereichen eine grundlegende Umwälzung erfolgt, leben wir irgendwann in einem völlig anderen System.

Technologien kombinieren, verbessern, und effizienter zu machen kostet Geld, viel Geld. Wer soll das bezahlen?

Schön, dass du die Technologien weiter verbessern willst. Wie sieht dein Plan dazu aus?


(Benjamin Eidam) #5

Ich dachte ich gründe eine Partei und verbesser die Welt über diesen gewichtigen Hebel mit dieser allesverändernden Idee, wie stehst du dazu? :wink: