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Blogeintrag:Welche NGOs könnten als Thinktanks für eine futuristische Planwirtschaft in Frage kommen?


#1

über Kritik freue ich mich. Ihr könnt den Artikel auch gerne zerreißen, seit ich nicht mehr versuche die Politik der TPD zu beeinflußen sehe ich das sehr viel lockerer :slight_smile:


#2

hast du schonmal versucht, einem hund einen knochen weg zu nehmen? :smile:
in der tat wäre eine rechner-basierte planwirtschaft das intelligenteste vorstellbare wirtschaftssystem des universums, das problem dabei ist imho folgendes: menschliche wirtschafts-und gesellschaftssysteme sind natürlich, das bedeutet, sie werden durch die den menschen innewohnenden biologischen und physikalischen triebkräfte “angeschoben”, also durch “animalische instinkte”.
ein computer-gemanagtes wirtschafts- und sozialsystem müsste im unterschied dazu von einer zielvorstellung “gezogen” werden, sich also teleologisch auf ein vorgestelltes ziel hin orientieren. und dieses müsste zuvorderst von den erbauern dieses rechners, also den menschen, vorgegeben werden, und soweit ich unsere lieben artgenossen kenne, wäre dagegen der turmbau zu babel wie strip-poker im altersheim :smile:


#3

Erstmal geht es darum, die Planwirtschaft virtuell zu realisieren, um das menschen zeigen zu können, die behaupten, dass der sozialismus prinzipiell nicht funktionieren würde.

Wenn wir unsere Industrie und Infrastruktur nicht an eine durch die Klimaerwärmung herbeigeführte Umweltkatastrophe verlieren wollen, ist gezieltes gemeinsames handeln notwendig.

Im Kapitalismus gibt es natürlich auch Planwirtschaft, allerdings nur innerhalb der betriebe.

Innerhalb einer Fabrik gelten eben nicht die gesetze des freien Marktes, und auch aldi plant, was es der Kundschaft vorsetzt.

Nur zwischen den Betrieben kommt es durch den unsinnigen Konkurrenzkamp zu verschwendung von Ressourcen und Arbeitskraft


#4

Schluß verbessert, Schöhnheitskorrekturen, typo, kleinere unsachlichkeiten beseitigt.

jetzt gepostet unter: http://trans-humanismus.net/2017/11/13/welche-ngos-koennten-als-thinktanks-fuer-eine-futuristische-planwirtschaft-in-frage-kommen/

Die allgemeine Sorge um die Zukunft der Menschheit scheint verschiedene Organisationen dazu veranlasst zu haben, über Lösungsmöglichkeiten der aktuellen Konflikte und Probleme nachzudenken. Immer mehr wird klar, dass eine Lösung nicht in der freien Marktwirtschaft zu finden ist, sondern einer transparenten, verbindlichen, dynamischen und globalen Organisationsstruktur bedarf, wie sie zum Beispiel die Planwirtschaft anstrebte (siehe auch: https://www.heise.de/tp/features/Kommunismus-Internet-Raete-3844634.html)

Ich konzentriere mich in diesem Artikel auf solche NGOs, die ihre Hoffnung in Technologien und Fortschritt überhaupt setzen und vornehmlich wirtschaftliche Veränderungen anstreben. Dabei geht es auch um das Potentials des Internets und inwiefern eine Notwendigkeit besteht, die politische Macht zu erobern, um die politische Veränderungen durchzusetzen.

Das Venusprojekt (https://www.thevenusproject.com/) ist ein Thinktank, in dem es darum geht, eine sogenannte recourcenbasierte Wirtschaft zu entwickeln. Hört man dem kürzlich verstorbenen Gründer Jacque Fresco zu, hat er wohl vornehmlich Filme in seinem Institut drehen lassen, um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Dabei entwirft er verschiedene Ansätze zu neuen recourcensparenden Maschinen und hat die Idee, die Wirtschaft so zuzuschneiden, dass sie die vorhandenen Recourcen möglichst effizient nutzt, im Sinne von Nachhaltigkeit und das möglichst wenig Verschwendung stattfindet. Weiterhin soll nach Bedarf produziert werden, nicht wegen des Profites wegen. Komplett ausgearbeitet scheint von seinen Ansätzen nichts zu sein, böse Zungen würden ihn als Crank bezeichnen.

Weiterhin scheint er keinen Wert auf eine ideengeschichtliche Herleitung zu legen. Denn im Grunde ist seine Idee der recourcenbasierten Wirtschaft sehr nah am Marxismus, dieser wird jedoch als “Ideologie” nur negativ neben dem Faschismus und der freien Marktwirtschaft genannt. Der Gründer wurde wohl seinerzeit aus der kommunistischen Partei Amerikas geworfen, vielleicht daher die Ablehnung.

Wirklich unseriös wirkt hingegen die Verknüpfung mit der Zeitgeist-Bewegung, einer verschwörungstheoretischen Vereinigung mit einer wenig überzeugenden Analyse, allerdings hat dadurch das Venusprojekt die meiste öffentliche Aufmerksamkeit erreicht.

Natürlich ist das Venusprojekt nicht der einzige Thinktank. Neben den Verschwörungstheoretikern gibt es auch eine Reihe von neoliberalen U-Booten, die von selbsternannten “Philantropen” wie Morgan, Rockefeller, Bill Gates und anderen dubiosen Gestalten finanziert werden. Diese haben leider durch ihre exorbitanten Mittel meist einen hohen Wirkungsgrad. Sie werden natürlich im besten Fall Symptombekämpfung betreiben, im schlimmsten Fall aber zu einer Verschlechterung der globalen Situation beitragen.

Negativschagzeilen machte die Open Society (Hedgefondsmanager Soros hat 18 Milliarden Dollar gespendet) und Citizens United. Aber auch wenn über die eigentlichen Ziele von einigen Organisationen wenig bekannt ist, so hat sicherlich der das Sagen, der das meiste Geld spendet. Man muß natürlich nicht jedem “Multi” bösartige Absichten unterstellen, es lohnt sich aber dennoch, dies im Hinterkopf zu behalten, wenn der Hauptgeldgeber von der aktuellen politischen Situation zu profitieren scheint. So verfolgt die Open Society das Ziel, die Sozialwissenschaften zu entpolitisieren und die Universitäten stärker mit Firmen zu vernetzen.

Sehr viel wichtiger, kompetenter und seriöser ist das Gremium um die Weltuntergangsuhr (https://thebulletin.org/timeline), das aktuell aus 17 Nobelpreisträgern und vielen weiteren Wissenschaftlern besteht. Seit 1947 schätzt die Weltuntergangsuhr die Wahrscheinlichkeit ein, ob sich die Menschheit selbst vernichten wird, und gibt dieses Wahrscheinlichkeitmaß als Minuten vor Mitternacht an. Aktuell steht die Uhr auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht.

Die größte Gefahr sieht das Gremium im menschenverursachten Kilmawandel und in einem drohenden Atomkrieg. Aber auch zivil genutzte Kernenergie und neue Technologien, wie z.B. Biotechnologie, spielen eine Rolle, und nicht nur eine negative.

Die Einschätzung des Gremiums werden auch in einem öffentlich einsehbaren Dokument begründet und Lösungsmöglichkeiten beschrieben.

Im aktuellen Bericht ist das Gremium zunehmend besorgt über die mangelnde Bereitschaft der USA, mit Nordkorea in diplomatische Verhandlungen zu treten, die von Nordkoreaorea mehrmals erfolglos angeboten wurde. Die Annäherung von Russland und USA wird hingegen als positiv gewertet, schließlich ist es gut, wenn sich zwei Atommächte vertragen. Man beachte, dass die letzte Empfehlung nicht nur durch die Wahl Trumps beeinflußt wurde, der internationale Rechtspopulismus wird mit großer Sorge betrachtet. Die Empfehlungen des Gremiums lauten meistens: Dialog suchen, Kernwaffen abrüsten, Umweltschutz internatlional durchsetzen. Grundsätzliche Kapitalismuskritik findet nicht statt.

Die Weltuntergangsuhr unterstützte den March of Science, eine zaghafte internationale Protestkundgebung gegen Fakenews. Als Noam Chomsky bei google.talk gefragt wurde, was Google tun könne, um die Fakenews zu bekämpfen, schlug Chomsky vor, dass Google aufhören solle, mit Websiten Werbeverträge abzuschließen, da er Werbung als die schlimmste Form der Fakenews ansehe. Die Empfehlung traf den Interviewer von Google wie ein Tritt in die Eier.

Immer wieder kritisiert Chomsky den Neoliberalismus, tritt bei den unterschiedlichsten Gruppierungen auf und hat eine weitgehend positive Resonanz unter Akademikern. Chomsky vertritt dabei zwar keine Gruppierung, bezieht sich aber immer wieder bejahend auf die Arbeiterbewegung und ist außerdem eher dem Anarcho-Syndikalismus zuzuordnen. Ein Antikommunist ist er wohl nicht. Viele seiner Vorträge kann man auf Youtube finden.

Überhaupt gibt es auf Youtube sehr viel interessantes Material, unter anderem zu meinem Lieblingsmarxisten, dem slowenische Philosophen Žižek. Auch Richard Wolff und viele weitere sind zu nennen. Youtube und soziale Medien sinddie wichtigste Schnittstelle überhaupt,um die kleinbürgerliche Intelligenz anzusprechen. Aber auch Arbeiter und Arbeitslose verbringen viel Zeit im Internet. Der öffentliche Raum ist inzwischen das Internet. Mein Leben hat sich weitgehend im Internet abgespielt, wie auch das vieler anderer Personen meiner Generationen.

Denn dort kann man Vieles kostenlos konsumieren. Das Internet ist also die Technologie der Armen, einen internetfähigen Rechner anzuschaffen ist sicherlich kostengünstiger als jede andere Technologie und birgt viele Möglichkeiten, sich mit anderen auch intensiver zu vernetzen. Auch stellt das Internet das kapitalistische Copyright in Frage und kann dabei helfen, den Widerstand zu organisieren. Erfahrungen damit sammelten zum Beispiel die Aktivisten im arabischen Frühling. Das Internet bietet jedem ein Forum, auch solchen, die in der Wirklichkeit außerhalb des Netzes zum Schweigen verurteilt sind, weil ihr sozialer Status keine freie Meinungsäußerung erlaubt. Die Radfahrerin, die Donald Trump den Stinkefinger zeigte, wurde beispielsweise von ihrem Arbeitgeber gefeuert. Im Internet kann man sich öffentlich und anonym äußern, aber natürlich können auch Handlungen und Äußerungen bis in alle Ewigkeit festgehalten werden. Die Beziehung von Anonymität und Öffentlichkeit ist also ambivalent.

Natürlich kann das Internet nicht alles, es ist ein Werkzeug, aber man sollte sich klar sein, dass die AfD und andere Rechtspopulisten ebenso wie auch die Piratenpartei im Internet massiv rekrutiert haben. Das Internet ist heutzutage das politische Medium überhaupt und selbst große Parteien, die eher der Postdemokratie zuzuordnen sind investieren zumindest Geld in Social Media Spezialisten, wenn sie nicht gleich ganze Nachrichtenportale kaufen.

Andrerseits gibt es Menschen, die die Möglichkeiten des Internets maßlos überschätzen. Es gibt durchaus die Gefahr einer virtuellen Blasenbildung, hinter vollmundigen Websites, die gigantische Projekte ankündigen, steht häufig Nichts. Das Internet ist also auch ein Raum für Spinner und Betrüger. Doch auf dieses Thema möchte ich später noch einmal zurückkommen.

Wir wenden uns der Stiftung für Effektiven Altruismus (https://ea-stiftung.org/) zu. Diese verfügt über ein großes Netzwerk von Stiftungen und Denkfabriken. Als ein Hauptvertreter des Effektiven Altruismus gilt der vielfach wegen seiner Relativierung der Menschenrechte von Behindertenrechtsorganisationen kritisierte utilitaristische Philosoph Peter Singer, der aber auch für seinen Einsatz für Tierrechte bekannt wurde und den Begriff Speziesmus geprägt hat.

Singer vertritt die These, dass es höchste Aufgabe der Ethik sei, das allgemeine Leiden zu reduzieren und deswegen Föten mit schweren körperlichen Einschränkungen besser abgetrieben werden sollten. Für ihn ist Ethik eine Sache der statistischen Abwägung, das Leid soll also an der Stelle zuerst angegangen werden, an der es am größten zu sein scheint. Die Hungernden der dritten Welt stehen also in der Prioritätenliste vor den Obdachlosen der ersten Welt.

Die Stiftung Effektiver Altruismus Deutschland hat den seriös wirkenden Philosophen Thomas Metzinger im Vorstand (ein Blogartikel hatte sich schonmal mit ihm auseinandergesetzt), und verfolgt ansonsten die Strategie, die vorhandenen Recourcen möglichst effektiv zu nutzen, um das globale Leid zu vermindern und dafür eine großangelegte Bürokratie aufbaut.
Weiterhin behauptet der Effektive Altruismus, dass er Forschung betreibe, inwiefern Hilfsaktionen in der dritten Welt Früchte getragen haben oder nicht, was sicherlich auch sinnvoll ist, falls dem wirklich so ist. Zumindest das Foundational Research Institut (https://foundational-research.org/) scheint zu erforschen, wie die Menschheit ihr Leiden auf ein Minimum reduzieren könnte.
Es ist also ein System, welches auf eine umfangreiche Planung setzt und somit dem Sozialismus nahe stehen könnte, sich jedoch entschlossen gegen jede Kapitalismuskritik wehrt. Es existiere kein Beweis dafür, dass Kapitalismus schlecht sei, so einer ihrer Pressesprecher in einem Interview.

Insgesamt fällt das Wort Politik kaum. Ich habe den Eindruck, dass der Effektive Altruismus allgemein an das moralische Gewissen der Menschen in den reichen Ländern appeliert, ohne auf die Klasse der Menschen in den jeweiligen Ländern Rücksicht zu nehmen. Die Zurückführung von Strukturproblemen auf individuelles Versagen ist eine beliebte Verschleierungstaktik der neoliberalen Propaganda, um grundsätzliche politische Diskussionen zu unterbinden.

Weiterhin wird auf die ‘earn to give’-Strategie gesetzt. Das bedeutet, dass die Mitglieder der Stiftung versuchen, Spitzenpositionen auf dem Finanzmarkt zu erobern, um ihre Gewinne für die Dritte Welt zu spenden, bzw. diese dem Netzwerk des effektiven Altruismus zu überlassen. Hilfe wird also teilweise auf das Spenden von Geld und dessen möglicht ‘effektiv und effizient’ Verteilung reduziert, während dem was man eigentlich tut, ein möglichst geringes Gewicht zugeordnet wird . Forschung und direkte Hilfe könne auch jeder andere machen, so die EA-Stiftung auf ihrer Homepage. Eine nicht ganz unproblematische Strategie, der in diese Hinsicht janusköpfige Bill Gates z.B. drückt der Welt seine IT-Steuer auf, um sich danach als Philanthrop feiern zu lassen, wenn er das gepresste Geld unter den Armen verteilt, oder dies wenigstens behauptet. Intressanterweise könnte man diese Strategie auch als imperialistischen Kapitalexport auffassen.

Es gibt auch Stimmen (https://www.youtube.com/watch?v=cqR6ye6ayig), die den Effektiven Altruismus verdächtigen, nur eine Art Geschäftsmodell zu sein, das die reichen Spender adeln und die Verwalter der Bürokratie ernähren soll, zudem wirken einige Ideen trotz der Betonung der Wissenschaftlichkeit und der Evidenzbasiertheit erstaunlich naiv, wie z.B. die Vorstellung, Politiker zu sein, wäre eine Art Job wie jeder andere auch, und mit fortschreitender Zeit würden die Politiker immer fortschrittlichere Gesetze erlassen. Auch wirkt das Netzwerk von Unterorganisationen unübersichtlich bis zu dem Punkt an dem ich mich frage, ob dies so gewollt ist, um den Kapitalfluß schwerer verfolgen zu können.

Mir fiel auf, dass der Effektive Altruismus keine Gütesiegel bekam, wie sie an Spendenorganisationen verliehen werden, die mindestens 90% ihres Kapitals direkt dem Zweck zukommen lassen, für den es gespendet wurde. Allerdings kritisierte die EA-Stiftung dieses Gütesiegel, da Marketing, Bürokratie und Forschung eben Geld kosten, diese aber notwendig seien, um effektiv zu helfen.

Wenn ich mich recht entsinne, vertrat auch Scientology die Idee, dass Mitglieder möglichst viel Geld erwirtschaften sollten, um dieses Geld dann direkt in Scientology zu investieren. Bei der EA-Stiftung ist es der humanitäre Zweck, was jedoch effektiv bedeutet, der Stiftung das Geld zu übergeben. Es ist also möglich, dass sich in Organisationen wie der EA Strukturen bilden, die im wesentlichen an ihrem persönlichen Profit interessiert sind, obwohl ich zur Zeit keinerlei Anhaltspunkte habe, dass dies auf die EA zutrifft.

Auf den ersten Blick verwandt wirkt der humanitäre Arm des IEEE, wobei der Fokus allerdings mehr auf Erforschung und Förderung von Technologien liegt (https://www.ieeefoundation.org). Das Institute of Electrical and Electronics Engineers ist der größte Berufsverband von Ingenieuren weltweit, legt verbindliche Standards fest, veröffentlicht hunderte von Fachzeitschriften und verwaltet dutzende Untergruppierungen. Das IEEE ist zudem ein Vorreiter in der transhumanen Szene. Auffällig ist, dass auf der ganzen Seite das Wort ‘effective altruism’ nicht zu finden ist, obwohl beide Organisatonen ansonsten ein sehr ähnliches Vokabular pflegen.

Es gibt natürlich auch viele rechte Thinktanks, die Migration und Islam als Problem sehen und eine aristokratische Erkenntnisstheorie vertreten und andere, die versuchen, sich außerhalb des politischen Spektrums zu definieren. Die rechtsradikalen Verteidiger Europas liefern natürlich uninteressante Analysen und bedienen nur einen dumpfen Populismus. Andere Analysen sind zumindest fragwürdig, wie die vieler Zinskritiker. Weitere bewegen sich in einer Grauzone, wie zum Beispiel die Wissensmanufraktur (http://www.wissensmanufaktur.net). Solche Gruppen sehen auch zunehmend in der Genderwissenschaft und der Political Correctness ein Problem. Ich persönlich habe im Kern nichts gegen PC oder Genderwissenschaft, sehe aber, dass sie zu dem Irrglauben tendieren, man könnte durch virtuelle Änderungen, wie Wortneuschöpfungen die Realität verändern. Es ist ein ähnlicher Irrglaube wie der von Technophilen, jene Ideen, die im Internet herumgeistern, mit real existierenden Verhältnissen zu verwechseln. So ist auch der Glaube an eine allmächtige künstliche Intelligenz zu verstehen, für die ich mommentan noch keinen Anhaltspunkt sehe. Vielmehr haben heutige Schachcomputer immer noch Probleme bei Schachproblemen, die menschliche Spieler lösen können. Wie soll es also zu einer künstlichen Intelligenz kommen, die wirklich alles beherrscht?
Natürlich gibt es Teilerfolge und auch Durchbrüche was die KI-Forschung angeht, und Automatisierung wird unsere Gesellschaft stärker verändern, als wir es uns jetzt vorstellen können. Das bedeutet aber nicht, dass uns die Maschinen alleine die erhoffte bessere Gesellschaft bringen. An dieser Stelle sei auf Dietmar Daaths Buch Maschinenwinter verwiesen. Marx hat in seinen Maschinenfragmenten noch nichts vom geistigen Eigentum gewußt, das ein erhebliches Problem für die Verbreitung und Anwendung von Wissen darstellt. Weiterhin sind Maschinen, die dazu da sind, Produkte zu fertigen, auf Ressourcen angewiesen. Dementsprechend sind nicht nur die Maschinen von Bedeutung, sondern auch die Ressourcen und diejenigen, die über diese Recourcen herrschen, bzw. denen die Maschinen gehören.
Ein sich selbst überflüssig machender Kapitalismus ist also aus heutiger Sicht nicht so wahrscheinlich, wenigstens nicht so ohne Weiteres.

Die Menschen und Parteien, die versuchen, sich außerhalb des klassischen Spektrums zu positionieren, tendieren zu einem wissenschaftlichen Politikansatz der auf zukünftige Innovationen hofft, was ihnen natürlich nur teilweise gelingt und zuletzt prominent versucht wurde, in der Piratenpartei zu organisieren. Positiv auffällig ist seit über einem Jahrzehnt “telepolis” (https://www.heise.de/tp/) oder auch Netzpolitik (https://netzpolitik.org/). Ein weiteres nennenswertes Projekt sind die Nachdenkseiten von Prof. Mausfeld (http://www.nachdenkseiten.de/). Wie er, sind auch viele andere Wissenschaftler besorgt um die demokratische Kultur unserer Gesellschaft, wenn ich auch nicht mit allen ihren Analysen übereinstimme. Überhaupt gibt es tausende kleiner privater Websites, die versuchen, eine Art Denkwerkstatt zu errichten. Da die meisten Menschen jedoch berufstätig sind, bleibt ihnen nur ihre Freizeit, um solche Projekte voranzutreiben, was natürlich viel zu wenig ist, wenn man interdisziplinär arbeiten möchte.
Der Neoliberalismus wird hingegen zunehmend auch unter sich für neutral haltenden Beobachtern als ein Problem gesehen, zum Sozialismus können sie sich aber nicht durchringen, da dieser mit Stalin, Mao, Pol Pot und totalitären menschenverachtenden Strukturen wie in der DDR assoziert wird. Dies liegt vornehmlich an einem großen Mißtrauen gegenüber dem Staat aber auch von NGOs und einer Ablehnung von Ideologien überhaupt. Diese Ablehnung von Ideologien beruht natürlich teilweise auf der neoliberalen Ideologie, die Dezentralisierung verherrlicht. Weiterhin denken die meisten Akademiker, der Sozialismus sei empirisch widerlegt.

Die meisten der im Internet aktiven User würden sich also nicht als Sozialisten, sondern als Basisdemokraten, Anarchosyndikalisten oder auch Aufklärer bezeichnen. Ich denke aber, man könnte diese mit Argumenten überzeugen, solange man auf den ideologischen Vorschlagshammer verzichtet, die Ablehnung des Sozialismus beruht also meiner Meinung nach auch viel auf Unkenntiss, wenn man also nachfragt, was am Sozialismus denn prinzipiell schlecht sei, kommen entweder Behauptungen über die menschliche Natur (“der Mensch sucht immer seinen Vorteil”), oder aber über die prinzipielle Unmöglichkeit global zu planen.

Beide Behauptungen lassen sich zumindest in Frage stellen, wenn man bedenkt, dass so viele unserer bisherigen Kulturleistungen die Arbeit von vielen miteinander solidarischen Menschen waren, nicht von irgendwelchen Ich-AGs, die alle ihren Vorteil suchten und miteinander in Konkurrenz standen.
Dem zweiten Argument kann man entgegenhalten, dass große Firmen bereits heute Global planen, in dem sie beispielsweise ihre Produktion global organisieren, und dass auch recht erfolgreich.

Ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere für eine rechnerbasierte Planwirtschaft zu begeistern wäre. Ein guter Ansprechpartner wäre das MIRI Institut (https://intelligence.org/research/), das sich mit theoretischer Informatik und Open Source Software beschäftigt und inwiefern diese die Probleme der Menschheit lösen kann. Leider hat hier auch der doppelgesichtige Philanthrop Bill Gates seine Finger drin, aber auch Personen wie Stephen Hawking, die sicherlich seriöser sind.

Das drängende Problem des Klimawandels und der unfähigkeit der etablierten Parteien sinnvolle politische Lösungen zu finden birgt vielleicht den einen oder anderen Internetuser zum Nachdenken und auch zu der Bereitschaft, radikalere Lösungen zu akzeptieren, wenn diese denn Aussicht auf Erfolg haben.

Wenn schon Hirngespinste wie der radikale Islam oder auch fundamentalistische Christen und Rechtspopulisten heutzutage noch Anhänger finden, so schafft das wohl ein vernünftiges Angehen der globalen Probleme allemal.

In diesem Sinne wünsche ich hoffnungsvollen Projekten wie der offenen Akademie (http://www.offene-akademie.org/) gutes gelingen.

Es ist noch nicht zu spät.


(Tim Groß) #5

Ganz ok. Besonders die Ansätze des eigenständigen Denkens sind ehrenswert. Natürlich noch viel inhaltlicher und faktischer Populismus. Und ich kann den nachhaltigen Nutzen nicht sehen, eigenständiges Denken mit den Paradigmen und Irrglauben einer Zeit zu vermischen.

Auf lange Sicht wird dieses Axiom die Grenzen deiner Welt bestimmen:

“Beide Behauptungen lassen sich zumindest in Frage stellen, wenn man bedenkt, dass so viele unserer bisherigen Kulturleistungen die Arbeit von vielen miteinander solidarischen Menschen waren, nicht von irgendwelchen Ich-AGs, die alle ihren Vorteil suchten und miteinander in Konkurrenz standen.”

Du solltest es loszuwerden. Was daran falsch ist, will ich nicht sagen.

Und Asche über das Haupt jeder der hier erwähnten NGOs. Da kommt nichts.


#6

ich denke auch darüber nach den Blog stillzulegen. Der GSP hat eh viel bessere Aufsätze zu jedem dort angeschnittenen Thema, warum sollte ich also Texte mit minderwertiger Qualität verbreiten, nur weil es meine eigenen Gedanken sind?

Zum Gemeinwesen: Das der Mensch prinzipiell solidarisch ist ändert nichts daran, dass das einzige Gemeinwesen im Kapitalismus das Geld ist. Ob du willst oder nicht, du bist den Gesetzen unterworfen, die in dieser Gesellschaft nunmal gelten.

Was die Planwirtschaft angeht: Es wäre überhaupt kein Problem eine Planwirtschaft zu planen die funktioniert. Das Problem ist, dass solange der kapitalistische Staat existiert all diese Entwürfe keinerlei Bedeutung haben.

Innerhalb dieses Systems lässt sich also gar keine Alternative finden. Es verändert sich nur was, wenn sich ausreichend viele Menschen zu dem Ergebniss kommen, das ihnen diese ganze Veranstaltung in Staat und Kapital nichts bringt und das sie ohne besser da stehen würden. Der Ansatz vom GSP ist es ja, an das Interesse des Individuums zu appelieren und nicht an die Moral, wie das die restlichen Linken tun.

Mag sein das der Kommunismus noch nicht als eine reale Alternative gesehen wird. Die Bolschewiki in Russland wuchsen auch von ein paar Tausend auf Hunderttausend Mitglieder in wenigen Monaten.

edit: dies ist natürlich kein Aufruf zu irgendetwas. Es ist nur die nüchterne Feststellung, dass man in der parlamentarischen Demokratie keinerlei Veränderung bewirken kann. Als Gesetzestreuer Staatsbürger finde ich mich damit natürlich ab und rufe nicht zur Revolution auf, nur falls das irgendwer hier mißversteht.


(Tim Groß) #7

Ich habe halt gute Gründe dafür, gewisse Ansätze höher zu werten als den Verweis auf Theorien und Bewegungen. *hust

Wenn du zu deinem Namen stehst, brauchst du dir von Kritik, die deine Inhalte betrifft, nicht den Wind aus den Segeln nehmen zu lassen. ()

Ich halte es für konstruktiv, dass du das veröffentlichst.


#8

danke für die blumen.

also offline ist sie nicht:

http://trans-humanismus.net/

Eigenständiges Denken ist kein Wert an sich finde ich. Dazu hat der GSP auch einiges geschrieben, die haben ja auch ein paar websites:

Hier zum Eigenständigen denken:
http://www.contradictio.de/denken.html

Über Meinung und Urteil:
http://www.wissenschaftskritik.de/subjektive-wahrheit/

Ich bin überzeugt, dass die meisten hier anwesenden Gehirne viel davon hätten ihre Zeit in das Studium dieser Materialien zu stecken. Richtige Gedanken zu verstehen bringt mehr, als bei seinen eigenen zu bleiben, nur weil es eben die eigenen sind.


(Tim Groß) #9

Bleiben wir beim Beweggrund des Denkens, ob eigenständig oder nicht. Mehr muss auch nicht zu den beiden Artikeln, zur Wissenschaftskritik und zu den Verfallsformen des Denkens, gesagt werden.

Die Tiefenpsychologie des Wissenschaftlers verbietet jede Hoffnung auf Entwicklung durch Wissenschaft (,um gerade mal bei Wissenschaft zu bleiben).

Du kannst dem Gegenstandpunkt übrigens mitteilen, dass ich sie darauf herausfordere, sich über das bessere Argument zu definieren.


(Tim Groß) #10

Die sollen ihre 5 besten schicken, damit ich überhaupt erst richtig in Fahrt komme. Gerne ein Videoduell. Instagram hat gerade Momentum.